Sonntag, 27. November 2016

A week full of porn

Ok. Now that I have your attention I guess I can specify that I'm (obviously) referring to food porn. As the picture indicates I spent the week of Thanks Giving neither with my family nor at home but rather in Venice, California.


Let me be the first to point out that the picture also shows that I shouldn't become a model but in my defense I just did what Turner told me to do. That I was wearing a jacket/pullover also indicates that it wasn't too hot out there. So rather than lying at the beach or the pool as planned I had a very long bromantic date with Turner. Nice dinner, going to the movies, late night conversations, long walks on the beach and boulevards, sharing ice cream... hold your thoughts: We didn't share ice cream.


The romantic highlight of the week was our Thanks Giving dinner at the Beachside restaurant in Marina del Rey. I tried to save the whole thing by having a table in front of the TVs so we can watch football but Turner wanted to sit outside right at the waterfront. We had to do a whole lot of talking that night. In a desperate attempt to fit in with the locals I started to take pictures of my food... so this is where the porn begins.

 


To be honest eating was our main activity other than working. Though the working environment wasn't too shabby if you did like the locals do on a terrace of any given coffee shop close to the beach.


For food there were many great places to choose from. We had

  • the American interpretation of Döner which had nothing to do with a Döner but rather tasted like a really dry version of a pulled pork sandwich
  • hip American (like several times... because it was so like... oh my gosh... and then Turner was like "we have to do that again" and I was like "whatever")
  • Asian-Mexican fusion food which was just outstanding
  • the infamous In-N-Out Burger
  • American organic safe the world food (the place was called "flower child" and my dish flying avocado)
  • Korean BBQ
  • Vegetarian Indian (it looks like jail food and it tastes just as good)




Overall the food was outstanding. Only downside is that eating in Venice isn't the cheapest activity. Rarely in my life have I spent 15$ for such a small breakfast. (Ok, to be fair Turner paid.) The expensive part was the juice for 11$ which tasted like biting into a fresh, juicy head of kale. There's nothing better to start the day... I hope my body took that as a signal that I still like him although he keeps on failing. 

Which brings me to the top 5 lists of how to recognize you're in a hip beach town of LA other than the prices.



5. There is a snus store on the main shopping street. You can make as much fun of chewing tobacco as you want... when it's from Sweden it's cool.











4. The Christmas decoration is attached to palm trees. 











3. You can get a medical examination right at the beach for your medical marihuana card. Looking at the symptoms to cure with weed I had quite a few of them... and of course the "pharmacy" was located right next door. You could smell the healing all over the place.




2. Your ice cream isn't chocolate or vanilla. It is roasted strawberry & toasted white chocolate. (Though I have to admit that salt&straw originated in the real hipster town of Portland, Oregon.)


1. Your restaurant offers yoga mat parking.








Sonntag, 13. November 2016

Da simmer wieder!

Manch einer wird sich noch erinnern, dass ich vor etwa zwei Jahren über die Interline Regatta 2014 geschrieben habe, die wir überraschend gewonnen hatten. Wie gute Gewinner das so machen, haben wir 2015 dann erst einmal ausgesetzt, damit die anderen Teams sich wieder sammeln können, und sind erst dieses Jahr zur Titelverteidigung angetreten. Es war allerdings relativ schnell klar, dass es für uns eher ein Rennen um Platz 3 wird, den wir dann auch geholt haben. Ganz wichtig: Damit waren wir vor unseren österreichischen Konkurrenten, was dem Marc sehr am Herzen lag. Mir aber auch. Ich hoffe, jeder glaubt mir als Halbösterreicher, dass ich meine Landsmänner wirklich mag... aber es gibt einfach ein paar, die sind weniger sympathisch. Zum Beispiel die, die mir schon in den ersten 2 Minuten, die man sich kennt, erklären, wie man den Namen der Geburtsstadt meiner Mutter richtig ausspricht.



Geschlagen wurden wir von Norwegern, die anscheinend so durstig waren, dass sie schon immer eine Stunde vor uns am Ziel waren, und Schorsch, dessen Geheimnis sein Bushwacker-Rezept war. Zur Halbzeit der Regatta hat er uns eingeweiht. Man wartet, bis der Barkeeper weg ist, geht hinter die Bar, schüttet alles, was auf der untersten Ebene der Spirituosenauswahl steht, in einen Mixer, nimmt einen Schuss Kokosmilch, jagt es mit Eis durch einen Mixer und garniert es mit einer Cocktailkirsche. Ganz wichtig: Die Cocktailkirsche nicht vergessen... sonst wäre es ja fast ein Long Island Iced Tea. Aber auch mit diesem Wissen konnten wir den Rückstand leider nicht mehr aufholen. 
Es gibt aber auch weitere Theorien, warum wir nicht so gut abgeschnitten haben. Unser Boot war eifach eine Diva... badum-tsch... (das Boot hieß so). Vielleicht lag es auch daran, dass wir das Segel nie ganz reingeholt haben, dass ich nur als unnützes Gewicht an Board war, Marc sich eher mit dem Modeln beschäftigt hat (siehe Foto) oder Lucas sich nicht mal über eine Ampel traut, die noch 4 Sekunden grün ist. (Wir hätten doch den Bangladeschi mitnehmen sollen. Der hatte mehr Eier.)



Nachdem ich ja OHNE jeglichen alkoholischen Einfluss am zweiten Tag nicht über die Luke geschwungen bin sondern quasi gegen die Treppe, konnte ich die Finger an meiner rechten Hand nicht mehr bewegen und habe daher an Board keinen Finger mehr krumm gemacht. (Wortspiel!) Ok, ich kann nicht ausschließen, das noch Restalkohol vom Tag davor im Blut war...
Da man es, wie der Marc schon immer gesagt hat, nicht nur im rechten Bizeps braucht sondern auch im linken, war ich damit relativ nutzlos. Hätte ich was im Kopf, hätte ich den Rennstrategen mimen können, aber auch dazu war ich nicht in der Lage. (Die Österreicher hatten wirklich so jemanden an Board.)


Was wir dieses Mal beim Segeln nicht erreicht haben, haben wir aber bei den Kostümen für die Motto-Parties locker weg gemacht. Nachdem sich unser creative director for costumes (a.k.a. Turner) erst in letzter Minute entschieden hat, mit zu segeln, mussten dieses Mal der Rest vom Team einspringen und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Aber seht selbst, was wir unter dem Metamotto "those guys" so gemacht haben. 






Aus irgendeinem Grund erregte gerade das Dinghy of shame bei der Mile High Party Aufsehen. Die Amerikaner haben aber natürlich auch wieder ordentlich aufgefahren. Ich würde mal sagen, so ein Engelschekostüm mit Korsett macht locker 5 Jahre jünger, nicht wahr Jungs? Goldene bodypaint bei kompletter Oberkörperfreiheit hingegen nicht, weshalb sich das vielleicht nicht jede erlauben sollte. Zumindest meine Vorstellung von griechischen Göttinnen sind anders. Da hätten es vielleicht eher die 
5l Dispersionsfarbe gebracht, die der Turner vergessen hat mitzubringen. 

Ansonsten hatten wir eigentlich alles an Board genau geplant. Während manch einer einfach in den Supermarkt gelaufen ist und so viel Bier gekauft hat, wie in den Einkaufswagen passt, haben wir das mit deutscher Präzision ausgerechnet. Ein Cuba Libre in einer Bar hat 2cl Rum. Also brauchen wir 4cl. Zwei Longdrinks pro Abend nach dem obligatorischen Ankerbier und vor der Party: Macht 8cl Rum pro Person und Tag. Aus irgendeinem Grund mussten wir schon kurz nach Beginn der Regatta wieder zum Supermarkt und hatten nur Folgendes auf dem Einkaufszettel: Eis, Bier, Rum und Wasser für den Brand am Tag danach. Die Jungs haben aber auch gemischt als ob es kein Morgen gäbe. 

Ich sollte mich aber nicht beschweren, da ich auf Grund meiner Leiden komplett umsorgt wurde. Dafür hat vor allem der Marc bei mir ein Stein in der Ankerkette. Also wirklich nicht im Brett sondern in der Ankerkette. Wir hatten eine der schlimmsten Nächte, die ich je auf einem Boot erlebt habe. Schon als wir abends unsere 8cl Rum getrunken habe meinte Marc, dass er sich nicht wohl fühlt. Er schaute die ganze Zeit meinen Papa an, jedoch wechselte der Hintergrund ständig zwischen dem Sternenhimmel und dem Meer. Die meisten von uns haben in der Nacht kein Auge zugemacht, weil man bei dem Seegang einfach nicht schlafen konnte. Dann sind wir noch gegen ein anderes Boot gekracht, weshalb wir mitten in der Nacht einen neuen Ankerplatz suchen mussten. Als wir am nächsten Morgen losfahren wollten, meinte Marc, dass wir gerade einen Stein von seiner Gewichtsklasse aus dem Wasser ziehen. Wir dachten natürlich, dass der Marc etwas übertreibt, weshalb ich nach vorne gelaufen bin. Er hatte allerdings Recht. Das wollte wiederum mein Vater immer noch nicht glauben, weshalb er auch noch mal hingegangen ist. Wir haben es wirklich geschafft, die Ankerkette um den Stein herum zu legen, so dass sie richtig verknotet war. Aber auch das Problem hat sich irgendwie gelöst. 



Spannender Weise hatten wir an dem Tag mit unsere besten Rennen, obwohl dem Lucas nach der Nacht zu schlecht war, um Sandwiches zu machen, Turner noch auf dem Weg zur Startlinie geschlafen hat und ich eh nie einsatzfähig war. Marc hat das irgendwie alles gerissen. Die schlechte körperliche Verfassung könnte jedoch auch durch die Druckbetankung mit purem Finlandia am Abend davor ausgelöst worden sein. Manch einer soll an dem Abend ja auch auf einem der legendären Party-Katamerane gewesen sein, auf dem zum Beispiel die goldene Farbe von den "griechischen Göttinnen" durch eine Teamleistung wieder entfernt wurde. (Da war nun zum Glück keiner von uns dabei.) Dort konnte man auch Frauen treffen, die so subtile Flirt-Sprüche nutzen wie: "Mein Bootsname ist langweilig. Aber nebenan liegt die anal surprise, das finde ich cool." Ehe sich jemand fragt... ja... eine Crew hat ihr Boot wirklich so benannt. Eine andere Crew hat eine Gummipuppe ans Steuer gebunden, um in der Klasse mit weiblichen Skippern mitfahren zu können (nein, das hat nicht geklappt). Das war jedoch auch die gleiche Crew, die man schon ein paar Meilen gegen den Wind riechen konnte... why drink and sail when you can smoke and fly? 

Bleibt die Frage, warum der Eintrag "da simmer wieder" heißt? Das war unser Standardspruch, wenn wir jemanden überholt hatten. So oft konnten wir ihn eigentlich gar nicht nutzen... trotzdem haben wir die meiste Zeit Harald Juhnkes Definition von Glück erfüllt: Keine Termine und leicht einen sitzen. 

Die Geschichte mit der Ziege erzähle ich ein anderes Mal. (HIMYM Referenz!)



PS: Wir waren wirklich Segeln! Siehe hier: https://youtu.be/RVScXhvAjw0

Samstag, 5. November 2016

Back and kicking

Finally I'm back to writing this blog. But when I say back and kicking I literally mean kicking as my typing skills are currently lacking a bit. I'll get to that in a bit.

But first and foremost: I did it. You didn't believe in it. I guess my professor didn't believe i it... not even myself believed in it, but it did happen. My thesis has been handed in 4 weeks ago! There's still a lot to come in regards to defending and actually publishing it... anyways, a huge milestone is reached. 
A lot of you will recall me saying that once it is handed in I will return to enjoying life so you might wonder why it took me so long to write again. And why am I writing in English? Let's start with the second question. As part of enjoying my life I should work on my social life over here and I guess it's only fair to give the people I met or will meet a chance to understand when I write about them. Practicing written English is also a nice side effect. So for Americans: Parental advisory. This blog can contain explicit content like cursing, violence and nudity... well not so much nudity.   

So why did it take me so long to come up with a new post? Well, first of all I took two weeks for some sailing with my homies to celebrate handing in my thesis in style. That will be covered in a separate post. During that trip I had to save someone's life by catching a swinging boom before it hit his head which in turn destroyed my hand. At least this is what I would have liked to have happened. In reality I fell down the stairs on the ship and must have hit my hand somewhere on the way down. My hand didn't really appreciate that and turned into this:



In case you wonder: This is not how the joints are supposed to look. By now I know that nothing broke or was torn so actually I was quite lucky but I couldn't move the fingers on the right hand for about 3 weeks. The doctor in the BVIs prescribed some medicine which I wasn't allowed to combine with alcohol so I skipped that. Maybe that wasn't the smartest decision in regards to the healing process but definitely for the vacation fun. Back in the US they diagnosed RSD (Reflex Sympathetic Dystrophy). Having a syndrome that needs an abbreviation makes me feel a lot better but there is so little on the net about this and even those articles say that there are debates whether it is a real thing... anyways, I go with that. It has been explained to me that during the fall my nerv system got in so much pain that it is offend now and doesn't want to work anymore. What a wimp. Interestingly enough the syndrome can lead to a different speed of nail growth which actually is happening. Main point though is that it leads to me not being able to move my hand and now I have to bend my fingers every day to get them moving again. And then there's therapy... in which someone else bends my fingers for me. I'm not quite sure why my insurance is paying for that... and no, I'm not doing it because a hot nurse bends my fingers. 

The healing progress has been pretty good so far and I've already been lifting bars again (bars as in workout!) so I think I can also type again. Drinking is not allowed though as the pills for the nerves are kinda heavy hitters. It's hard to get up in the morning after taking them. Still the doctors won't tell me that everything will get back to normal again. I hope that this is due to them being afraid of me suing them if it's a wrong statement. They go with "it should get normal again in some weeks or months". 
It's also quite hard to to get to a real doctor here as first I had to fill out and sign about 6 pages full of questions and waivers that no one is accountable for anything. That was quite a challenge without being able to move my fingers on the right hand but a friend helped me with that. After that a nurse get's you and copies the information into a laptop while asking more questions. Once done a junior doctor (or whatever) comes in and does the examination. He then talks to the doctor who looks at you for 5 minutes to tell you whether the junior doctor was right. How to distinguish the two? The junior doctor tries to shake your right hand while the doctor first asks which hand is affected. You just can't beat experience. 
Fun fact. Although the network my doctor belongs to is called "coordinated health" and my physical therapy location belongs to the same network they asked me the same questions again. Another interesting fact about the US health system. The limiting factor to getting an MRI (MRT) appointment was not the availability of the machine but that the provider wanted to check with my insurance first before doing it. 

Montag, 23. Mai 2016

Interkulturelle Erfahrungen

So wie jeder andere Deutsche im Ausland, bin auch ich ein Botschafter unsere Kultur. Das ist eine Ehre und Verpflichtung zugleich. Dieses Wochenende war es an der Zeit, dem gerecht zu werden. Ich möchte gleich zu Anfang festhalten, dass all das nicht meine Idee war, sondern die von jemand anderem. Jegliche Verantwortung für die Ereignisse wird von mir also abgelehnt.
Unser interkulturelles Event war, dem CrossFit Team deutsche Trinkkultur näher zu bringen. Daher haben wir das erste Flunkyball-Turnier im Lehigh Valley "organisiert". Wem das jetzt nichts sagt, hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=hRtEreVk18Y
Ich zitiere: "Es ist Trinken und Sport gemischt.... es ist kein sinnloses Besaufen"
Im Prinzip geht es darum, eine Flasche mit einem Ball zu treffen und dann so schnell wie möglich sein Bier auszutrinken. Hier ergaben sich schon die ersten interkulturellen Differenzen. Aus amerikanischer Sicht muss es das Ziel bei einer Trinkkspiel sein, dass die anderen Trinken. Das Konzept, einfach nur selbst möglichst schnell zu trinken, war ihnen völlig fremd. Aber ich glaube, das Spiel ist trotzdem sehr gut angekommen. Auf jeden Fall wurde auch fleißig gespielt, als der andere deutsche Kulturbotschafter und ich mal Pausen gemacht haben, die zumindest für mich bitter nötig waren. Mein Frühstück bestand nämlich im Prinzip aus den ersten drei Runden Flunkyball, bevor ich zum Ausgleich ganz viel Guacamole zu mir genommen habe.


Als weiteres Highlight der deutschen Kultur habe ich noch Looping Louie mitgebracht. Hier ist ja alles beliebt, was man mit Kurzen machen kann.


CrossFit wäre aber natürlich nicht CrossFit, wenn wir das ganze nicht noch mit einer weiteren sportlichen Aktivität (die Betonung liegt hier ganz klar auf "weiteren") abgerundet hätten. 10 Runden auf der Rudermaschine, bei denen das Ziel jeweils war, genau 100 Meter zu Rudern. Für jeden Meter mehr oder weniger gab es Strafpunkte, für die man Burpees machen musste. (Link) Da in einer Runde mein Entfernungsmesser ausgefallen ist, stand ich da nicht besonders gut da. Daher habe ich heute auch vor allem Muskelkater und nicht Kater.


Die Mischung aus allen drei Aktivitäten wurde von unterschiedlichen Personen unterschiedlich gut aufgenommen. Wahrscheinlich war es auch das erste Mal, dass sich jemand in der CrossFit-Halle übergeben hat. Ich persönlich würde das aber auch auf die Getränkeauswahl schieben. Alkoholhaltiges Root-Bier mit Whisky gemischt (Zitat: "Das nimmt die Süße"). Ich wäre geneigt gewesen zu sagen, dass ich noch nie etwas so ekelhaftes getrunken habe, jedoch hat sich unser Trainer entschieden, bei der letzten Flunkyball-Runde die Deutschen zu testen, und mir ein "Mad Elf" untergejubelt. Das ist ein 11%tiges Bier und schmeckte einfach widerlich, weshalb ich es auch kaum runter bekommen habe... weshalb wir natürlich die Runde verloren haben. Ich habe die Flasche am Ende geleert, ohne die zweite Person zu werden, die sich in der Halle übergibt... das stand aber auf Messers Spitze.

Da erwachsene Menschen vernünftig sind, haben wir es dann auch nicht dabei belassen, sondern haben uns nach den 6 Stunden in der Halle noch abends in der Stadt getroffen. Man kann sich vorstellen, dass das nicht ganz glatt lief. Da ich nur eine Telefonnummer hatte und diese Person ohne Empfang war bin ich durch Bethlehem geirrt, bis ich zumindest einen Teil der Gruppe gefunden habe. Die wussten aber auch nicht, wo der andere Teil war. Ein würdiger Abschluss.
Ich bin mir jetzt aber auch nicht sicher, ob der interkulturelle Austausch zu etwas geführt hat...

Sonntag, 8. Mai 2016

BeFit


Ok, die Überschrift ist ein Insider für Bosch-Mitarbeiter, aber es hat einfach so gut gepasst. So heißt nämlich unser Gesundheitsprogramm. Denn nur ein gesunder Mitarbeiter ist ein guter Mitarbeiter. Da ich nun wieder etwas mehr Zeit habe und mich den Genüssen der amerikanischen Küche hingegeben habe, hatte ich das Gefühl, wieder mit Sport anfangen zu müssen. Ein Trainee, der gerade vor Ort ist, hat mir dann den völlig abwegigen Gedanken in den Kopf gesetzt, dass es CrossFit sein muss. Nein Nico, alles ganz easy, da machen auch unsportliche Leute mit. Ok, dann halt CrossFit.

Ich war vor kurzem also zum ersten Mal beim CrossFit. 500m Rudermaschine. Ok. 20 Liegestützen. Ok. 20 Situps. Ok. 100 Mal Seilspringen. Leichte Probleme mit der Technik, aber ok. 20 Kniebeugen. Ok. Ich zitiere meinen Schwager mit den Worten "klingt nach einem guten Workout". War aber leider nur das Aufwärmen.
Erste Übung für den Tag: 50 Klimmzüge. Ich so: "Bitte was?" Er so: "50 Klimmzüge". Ich so: "Ich kann nicht mal einen." Er so: "Du hast so viel Zeit wie du willst." Spargel wie ich, dürfen die Stange tiefer hängen und dann quasi über die Knie und Fußspitzen etwas unterstützen. Ich habe trotzdem maximal 5 am Stück geschafft. Anders ausgedrückt, war ich sehr lange mit dieser ersten Übung beschäftigt. Danach kamen dann noch 3 Minuten Situps (hatten wir doch gerade erst!), 400 Höhenmeter auf einer Klettermaschine und 2 Minuten Vollgas auf einem Fahrrad, bei dem der Widerstand so eingestellt war, dass ich aufstehen musste, um überhaupt antreten zu können. Ich fasse zusammen: Ich war tot. 
Meine ganz persönliche Meinung: Das ist nicht die anfängerfreundlichste Art von Sport, die ich bisher kennengelernt habe. Aber es reizt einen irgendwie doch. Nach 6 Tagen Muskelkater bin ich wieder hin. Leider ändern die das Programm ständig, so dass ich jedes Mal aufs Neue Muskelkater bekomme und mich danach ein paar Tage nicht bewegen kann. Gut, eigentlich ist das ja der Witz daran... aber es tut so weh. Ich bin gespannt, ob das zu irgendetwas führt...

Sonntag, 1. Mai 2016

Dienstreise

Ein neuer Post! Heißt das, dass ich noch lebe? Ja. Heißt das, dass die Diss fertig ist? Nein. Wieso? Weil die Laufzeit der Simulationsläufe einfach ewig ist. Aber da ansonsten alles fertig ist, kann ich so langsam wieder ein normales Leben aufnehmen. Daher war es auch Zeit für einen Kurzurlaub in New Orleans. Der Reisführer hat empfohlen jegliche Witze in Zusammenhang mit Katrina besser sein zu lassen, daher auch keine Anspielungen auf ein feuchtfröhliches Wochenende oder dass bei einigen alle Dämme gebrochen sind... es war einfach ein sehr intensives verlängertes Wochenende.
Bin freitags um 3:30 aufgestanden und mit dem Flieger nach Atlanta geflogen, wo mich ein Kollege mit einem weiteren Begleiter (ich bleibe mal bei der no name policy) für einen 6 Stunden Roadtrip nach Louisiana abgeholt hat. Ab ins Hostel (geteilte Bäder yeah!) und von dort zu einer Rooftop Bar um diesen Blick zu genießen. Ab da war ich angekommen.


Ein paar Tecate später wanderte der Blick von dem ein oder anderen schon wo anders hin aber das nur so nebenbei. Da es sich auf leeren Magen so schlecht trinkt, erst mal ab zum Mexikaner (Frauen kennengelernt) von dort in eine Bar am Ende der Bourbon Street (Frauen kennengelernt) und dann wieder raus aus der Bar (Frauen kennengelernt), um schließlich in einem HipHop-Schuppen zu enden. Das hat natürlich noch nicht gereicht, weshalb wir danach noch in eine "dive bar" sind. Am treffendsten kann man "dive bar" wahrscheinlich mit Spelunke übersetzen... oder auch einfach Absturzbar. Und jetzt ratet mal, was dort geschehen ist? Genau. Frauen kennengelernt.
Ich muss an dieser Stelle aber auch gleich sagen, dass die Props dafür alleine an meinen Begleiter gehen, aber es war es war eindeutig eine neue Erfahrung für mich. Bleibt die große Frage, ob man dafür nach New Orleans muss? Die Antwort ist ganz klar "ja". In New Orleans darf man doch tatsächlich mit einem alkoholischen Getränk auf die Straße, so lange es in einem Plastikbecher ist. Das heißt die Bars können bei 30 Grad Türen und Fenster öffnen und man kann auch mal vor der Tür, um mit jemanden zu reden. Ich hätte niemals gedacht, dass ich das so vermissen kann. Sorgt wirklich für ein komplett anderes Gefühl. Außerdem gibt es keine Sperrstunde, so dass man tatsächlich um 2 Uhr morgens, wenn man noch ganz ganz viel Durst hat, immer noch etwas zu trinken bekommt. Einziges Problem ist in Amerika natürlich, dass nicht alle mit der Freiheit, lange in der Öffentlichkeit trinken zu dürfen, umgehen können. Da sieht man auch jede Menge menschliches Elend. Die Bourbon Street ist wie die 10 mal längere Version der Schinkenstraße (Malle)... gut, das schwächt mein Argument, weil dort auch Europäer nicht wirklich mit Alkohol umgehen können.

Ich bleibe aber dabei, dass die Stadt einfach positive Schwingungen hat (wollte nicht vibe schreiben, aber die Übersetzung klingt auch irgendwie komisch). Ich denke dieses Foto sollte dafür Beweis genug sein. (Kein Photoshop!)


Aber natürlich fährt man nach new Orleans nicht wegen des Alkohols sondern wegen der Musik und des Essens. Für mich als alten Allergiker ist die Auswahl an Cajun-Küche jedoch leider etwas eingegrenzt, wobei Poboys schon sehr lecker sind. Das ist deren Wort für Sandwich. Warum bei einer Küche, die laut Wikipedia auch von Deutschen beeinflusst wurde, nun gerade das Wort Poboy für Sandwich gewählt wurde, bleibt mir allerdings schleierhaft.


Für die Musik geht man auf die Frenchman Street (da haben wir übrigens auch Frauen kennengelernt) oder eben auf das Jazz und Heritage Festival, dass zu dieser Zeit lief. Das war unser Ziel. Publikumsmagnet für den Abend waren die Red Hot Chili Peppers und die Vorfreude war sehr groß. Leider mussten wir dann aber feststellen, dass die Amerikaner wirklich alles disneysieren. Das familienfreundlichste Musikfestival der Welt. Der Rekord für die meisten Festivaltoiletten mit Klopapier geht auf jeden Fall schon mal nach New Orleans. Außerdem gab es überall Ordner, Leute die gekühltes Bier verkaufen, Geldautomaten und sogar richtig gutes Essen. Bei 30 Grad auch sehr nützlich: Zelte in denen Wasserdunst auf die Zuschauer nieder rieselt. Wirklich alles sehr gut organisiert. Selbst die Besucher waren sehr gut organisiert. Die kamen morgens schon mit Decken und Sitzen, um sich die besten Plätze zu reservieren, und dann den ganzen Tag dort zu picknicken. Damit man seinen Platz in der Mengen wieder findet, wurden dann noch Flaggen aufgestellt. Deutscher geht es ja fast kaum noch.


Bei all dem haben die Ammis aber leider den Spaß vergessen. Selbst bei den Red Hot Chili Peppers gab es kaum Bewegung im Publikum und man wurde schon böse angeschaut, wenn man aus Versehen mit dem Fuß gegen den auf dem Boden liegenden Rucksack des Hintermanns gekommen ist. Das ist der echte Rock&Roll life style. Ach so... auf dem Festival haben wir auch wieder zwei Gruppen von Frauen kennengelernt.

Was gibt es sonst noch zu erzählen? Wir wurden gefragt ob wir schwul sind (weil wir auf den östlichen Teil der Bourbon Street wollten), unser Hostel hielt es für eine gute Idee, am Sonntagmorgen um 8:30 ein Vordach abzureißen, ich wurde von Afroamerikanerinnen beim Tanzen gefilmt und es sind ständig Leute zusammengebrochen. Z.B. im Club, weshalb unten gleich die Polizei vorfuhr. Aus dem Wagen stiegen aber nicht nur zwei Polizisten, sondern auch gleich zwei Kameramänner aus, die das ganze festhalten. Unterschichten-TV vom Feinsten. In dem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass die Amerikaner für viele Dinge des Lebens einfach nicht so schöne Wörter haben wie wir. An andere Stelle lagen zwei weinende und schreiende Frauen auf der Straße, woraufhin ein Kerl eine von beiden einfach auf die Schulter genommen und weggetragen hat. Als ich die "Dame" gefragt habe, ob das denn ok sei, wollten der Kerl mir natürlich gleich eines auf die Fresse geben. Nachdem er sie abgestellt hat, um der Aussage Nachdruck zu verleihen, hat sie ihn aber mit dem über das komplette Gesicht verlaufenen Mascara umarmt... ich habe das mal als ein "ja" interpretiert und habe mich getrollt.


Vielleicht noch ein Zitat von einer Amerikanerin, die ich dort getroffen habe und die im Lehigh Valley (da lebe ich) ihren Bachelor gemacht hat. "30jährige, die im Lehigh Valley ausgehen, sind creepy". Sie könnte mich aber mit ein paar Mädels bekannt machen... "colleague girls are easy". Ich glaube das führt zu nichts...

Freitag, 8. Mai 2015

Dienstwagen

Nein, ich bekomme hier keinen Dienstwagen. Aber die Überschriften hatten bisher alle etwas mit Arbeit zu tun und dieses verbindende Thema wollte ich beibehalten.
Eine meiner ersten Handlungen in den USA war, ein Auto zu kaufen. Noch bevor ich einen Führerschein hatte. Widerspricht dass jeglicher Vernunft? Ja, tut es. Habe ich es trotzdem gemacht? Ja! Wieso? Weil halt...

Ich gebe hier ganz offen und ehrlich zu, dass ich da eventuell etwas emotional und nicht ganz rational vorgegangen bin. Ansonsten hätte ich für das gleiche Geld wahrscheinlich mehr Auto bekommen. Mehr kann hier mehr Ausstattungsmerkmale (Asiaten) oder auch einfach mehr Blech (Ammis) bedeuten. Aber als alter BMW-Fan wollte ich halt unbedingt einen BMW. Und ich wollte einen, den ich im Zweifelsfall auch mit nach Deutschland importieren kann. Da entstanden die ersten Probleme.

Hier kauft man ja keine selbst konfigurierten Neuwagen sondern in der Regel vorkonfigurierte Neuwagen oder halt einen Gebrauchten. Ich brauchte schnell ein Auto, da ich sonst selbst den Mietwagen hätte zahlen müssen, womit nur vorkonfigurierte oder gebrauchte Autos blieben. Der Amerikaner hat nun aber ganz andere Wünsche als ich. BMW gibt es hier schon mal gar nicht ohne Premium Paket. Heißt keyless entry, Lendenstütze und elektrisches Sonnendach sind schon mal fix. Dafür hätte ich jetzt nicht gezahlt. Dafür wollen die Ammis aber alle keine Parksensoren. Ok... braucht man in Pennsylvania auch nicht. So wie die parken, merkt man aber auch, dass sie es nie geübt haben. Parksensoren gibt es dann auch nur in der Kombination mit der Rückfahrkamera. (Hier ist ein Gesetz dafür in Vorbereitung. Trotzdem hätte ich dafür auch nicht gezahlt.) Das Winterpaket mit beheizbaren Rücksitzen und beheiztem Lenkrad ist wieder quasi Pflicht... für ein Navi wollen sie dann wieder nicht zahlen. Teilbare Rücklehne ist auch nicht normal. Dass das head-up display schwer zu bekommen ist, kann ich verstehen, aber diese Spielerei hätte ich echt gerne gehabt.

Fazit: Das, was ich wollte, war schwer zu finden. Irgendwann habe ich aber genau das Auto gefunden, sogar in meiner Farbe. Leider in Delaware. In meinem Kopf wurde dann aber irgendein Schalter umgelegt der gesagt hat: Du MUSST dieses Auto kaufen. Die erste Woche habe ich dann mit Telefonaten mit dem Autohändler (Nissan... sic!) verbracht, der es mir erst mal nicht verkaufen wollte, weil ich ja noch nicht alle Papiere hatte. Ich musste dann ihn überzeugen, dass es gut für ihn ist, wenn ich das Auto voll bezahle und es halt noch 2 Wochen beim ihm stehen lasse. Nach einer Woche hat er dann wohl verstanden, dass er als Händler das Auto verkaufen sollte und dass es nicht schlecht ist, den vollen Betrag sofort zu bekommen. Ich helfe ja gerne...
Ich also mit dem Mietwagen nach Delaware gefahren, abends um 8 angekommen (Händler hat bis 9 auf) und Probefahrt gemacht. Absolut begeistert gewesen, bis ich festgestellt habe, dass er kein head-up display hatte. Ich also gefragt, was da los sei. Ich musste ihn dann wiederum zeigen, dass er ihn im Internet mit head-up display angeboten hat. Damit sind wir wieder beim Thema, dass man hier halt nicht erwarten kann, dass beim ersten Mal etwas klappt. Man kann nicht mal vom einem Autohändler erwarten, dass er weiß, was er verkauft. Das war dem Händler so peinlich, dass er mir ein zugegebener Maßen sehr attraktives Angebot gemacht hat, welches ich dann angenommen habe. Man muss halt immer das Positive sehen. Vielleicht hat mich auch überzeugt, dass der Puerto-Ricaner meinte, mein Spanisch wäre akzentfrei und nur im Englischen würden man ein bisschen hören, dass ich Deutscher bin. War es gelogen? Klar! Ich nehme es trotzdem an.

Hätte ich gewusst, was folgt, hätte ich vielleicht besser nicht unterschrieben. Denn jetzt wurde es richtig amerikanisch. Ich sollte also zahlen. Natürlich hatte ich vorher gefragt, wie ich zahlen soll. Antwort: Scheck. Ich zücke also mein Scheckbuch (kriegt man hier automatisch... hätte ich sonst nie gewollt) und fange an, den Scheck auszufüllen, woraufhin er "Stopp" ruft. Ich schaue ihn an. Er: "Wir haben ein Problem." Ich: "Welches?" Er: "Das ist kein gesicherter Scheck." Ich: "Hätten Sie einen gewollt, hätten Sie das vorher sagen sollen." Er: "Den kann ich jetzt aber nicht annehmen. Ich weiß ja nicht, ob Sie das Geld haben." Ich: "Soll ich einen Kontoauszug zeigen?"... ihr ahnt, es wurde wieder eine sinnlose Diskussion. Ich also am nächsten Tag zur Bank und hole mir einen gesicherten Scheck, verschicke den mit FedEx und kein Spaß... das ist günstiger, als das Geld zu überweisen.

Irgendwann hatte ich dann meine Sozialversicherungsnummer, meinen Führerschein und die Versicherung für das Auto zusammen. Genau genommen hatte ich die "learner's permit" und damit konnte ich eine Versicherung abschließen, die mit dem deutschen Führerschein nicht bezahlbar gewesen wäre. Wieder gefragt, ob ich sonst noch etwas brauche. Nein, natürlich nicht. Also mit dem Bus nach Delaware gefahren. Das ist ein Abenteuer für sich gewesen... aber dazu ein ander mal mehr. Dort angekommen, 2 Stunden gewartet damit sie mir mein Auto aushändigen, was ich schon lange bezahlt hatte, dadurch schon leicht gereizt gewesen und dann kam es. Sie können das Auto nicht auf mich anmelden. Wieso? Ich hätte ja keinen gültigen Führerschein. Ich: "1. Ich hatte vorher gefragt und 2. was ist falsch an der learner's permit?" Mit der dürfte ich ja nicht fahren. Ich: "Aber ich habe einen gültigen deutschen Führerschein, mit dem ich bis zu 60 Tage in den USA fahren darf und für alle anderen Dokumente hat bisher auch die learner's permit gereicht. Die Führerscheinnummer wird genau die gleiche sein." Nein, kann er nicht machen. Aaaaber er hat eine Lösung.
Ich könne das Auto mitnehmen und selber anmelden. Ich: "Ich bin mit sicher, dass das wieder aus irgendeinem Grund nicht geht." Nein, wäre gar kein Thema, sobald ich den lokalen Führerschein hätte. Er müsse mir dann jetzt aber vom Kaufpreis die Steuer zurückgeben, da ich die bei der Anmeldung zahlen muss. Ich nun etwas mehr angesäuert: "Wie kriege ich das Geld?" Schickt er mir per Post. Ich: "Ich hätte gerne einen gesicherten Scheck und zwar jetzt." Kann, er nicht, da die Damen, die das machen, samstags nicht arbeiten. Ich (zugegebener Maßen nur um ihn zu ärgern): "Ich habt mir ja nicht vertraut, dass ich meinen Teil zahlen kann, wieso soll ich euch jetzt glauben, dass ihr mir das Geld zurückgeben könnt?" Er könne mir auf einen Zettel schreiben, dass ich das Geld bekomme. Ich: "Ihr habt nicht akzeptiert, dass ich euch das auf einen Zettel namens Scheck schreibe. Also akzeptiere ich das auch nicht." Jetzt wurde er komplett hilflos. Irgendwann wurde es mir zu doof, das Spiel zu spielen und ich habe ihn vom Haken gelassen. Er solle mir jetzt den Fahrzeugbrief geben und dann sei ich weg. Er: "Kann ich nicht."

An dieser Stelle wurde ich dann etwas emotional, ungehalten oder auch umprofessionell. "Wieso?" "Darf ich nicht." "WIESO?" "Das Auto ist ja nicht auf dich zugelassen. Deshalb darf ich dir den Fahrzeugbrief nicht geben." "Ist das Auto auf euch zugelassen?" "Nein." "Wieso dürft ihr dann den Fahrzeugbrief haben?" "Das wäre das Gesetz." "Ich habe dieses Auto vollständig bezahlt und es gehört mir. Wenn es weder auf euch noch auf mich zugelassen ist, dann will ich den Fahrzeugbrief von meinem Auto." "Aber das Auto ist doch nicht auf dich zugelassen, was willst du, dass ich mache?"

An dieser Stelle hatte das Gespräch eine Lautstärke erreicht, dass der gesamte Verkaufsraum gut zuhören konnte. Daher haben doch sehr viele Leute geschaut, als ich meinte "I WANT YOU TO STOP THE BULLSHIT AND GIVE ME MY FUCKING TITLE!" Ich glaube das hat nicht ganz ins Bild gepasst. Also musste natürlich ein Manager her. Der hatte natürlich totales Verständnis für meinen Frust. Aber er könne mir den Fahrzeugbrief nicht geben. Ich: "Wieso?" Er: "Der liegt im Safe und da kommen wir heute nicht dran."

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Nachdem ich die Fassung wieder gefunden hatte, fragte ich wieso denn kein Mensch auf die Idee kommt, den Fahrzeugbrief aus dem Safe zu holen, wenn sie seit einer Woche wissen, wann ich komme. Das wäre eine sehr gute Frage.

Die Moral von der Geschichte. Aufregen führt hier zu nichts...

Nun noch der Treppenwitz: Man kann sein Auto in Pennsylvania natürlich nicht selber anmelden. Das muss von autorisierten Händler gemacht werden. Ich also den Händler angerufen und gesagt, dass er es machen soll. Den Scheck hatte (der Arsch) mir nach einer Woche eh noch nicht geschickt. Daraufhin musste er aber erst einmal prüfen, ob denn der Scheck verschickt wurde. Es hat dann eine Woche gedauert, bis er feststellen konnte, dass es noch nicht geschehen ist. Dann hat er das Auto für mich angemeldet.

Samstag, 11. April 2015

SOP (start of production)

Ich glaube ich habe mich jetzt fast eingelebt. Langsam könnte ich also produktiv werden. Entweder für meinen Arbeitgeber oder für meine Diss. Dabei könnte ich vielleicht auch ein bisschen weniger essen, da ich meinen Gürtel schon ein Loch weiter stellen musste. Das könnte natürlich daran liegen, dass ich vom vielen Möbel Tragen, Aufbauen und Einräumen gut trainierte "love handels" bekommen habe. Gibt es in der Ecke überhaupt Muskeln?
Meine Wohnung ist jetzt also so weit, dass ich Besuch empfangen kann. So sah es vor kurzem aus:



So sieht es jetzt aus:




Betrachtet das als offizielle Einladung. Was man dann hier unternehmen kann, weiß ich allerdings noch nicht. Aber ich habe jede Menge Flyer. Es gibt auf jeden Fall Weintouren. Oh... und man kann essen. Das habe ich schon ausgiebig getestet.

Um ein gewisses Gleichgewicht zu halten, sollte ich vielleicht in diesem Blog über ein paar positive Dinge in den USA schreiben. Man kann in diesem Land nämlich durchaus gut leben, wenn man einmal alle Dokumente ausgefüllt hat und eine gewisse Einstellung übernommen hat. Welche Einstellungen? Eine deutsche Kollegin meinte "erwarte einfach nie, dass etwas beim ersten Mal funktioniert". Ich schaffe es zwar noch nicht ganz, das umzusetzen, aber ich hoffe, da noch hinzukommen.
Vielleicht passen sich die Amerikaner aber auch an mich an. Eine Mitarbeiterin der Firma, die mein Apartment vermietet, hat zum Beispiel schon aufgegeben. Man soll hier zum Einzug ein Dokument mit allerlei persönlichen Daten ausfüllen. Sie wollten für mein Auto z.B. mein Nummernschild (ok), den Hersteller (ok), das Modell (ok), das Jahr (als ob die einen 2013er BMW von einem 2014er unterscheiden könnten... aber ok), die Farbe (ok), die Fahrgestellnummer (wie bitte? Ääääh nein), die Nummer meiner Autoversicherungspolice (definitiv nicht ok)... und so weiter. Ich habe das dann nur bis zur Farbe ausgefüllt. Dank ihrer hervorragenden Ausbildung, hat die Dame, die nicht mal die Maße der Wohnung kennt, die sie vermietet (es gibt hier keine Pläne!), sofort erkannt, dass ich das Dokument nicht vollständig ausgefüllt habe. Sie: "Diese Felder sollten auch noch ausgefüllt werden." Ich: "Wollen Sie mein Auto verkaufen?" Sie: "Nein, aber wir brauchen die Angaben." Ich: "Wofür?" Sie: "Das ist unsere Richtlinie." Ich: "Das sagt aber nicht, wofür Sie die Daten brauchen." Sie:" Wenn was passiert, müssen wir ja wissen, wem das Auto gehört." Ich: "Dafür haben Sie das Nummernschild und meinen Namen." Sie schwer gereizt: "Wenn Sie es nicht ausfüllen wollen, dann lassen Sie es halt. Ich werde das dem Manager so sagen. Alle anderen haben das ausgefüllt."
Ich war kurz davor zu antworten, ob sie denn von der Klippe springen würde wenn... aber ich habe es dabei belassen und mich gefreut, so schnell aus der Diskussion gekommen zu sein.

Nun aber vielleicht zu den echt positiven Seiten. Einkaufen am Sonntag ist super! Autos sind super bezahlbar! Sprit und Mineralwasser haben ähnliche Preise! Man braucht fast kein Bargeld! Dienstleistungen sind super günstig! Die Mehrheit ist super höflich... die entschuldigen sich sogar, wenn sie beim Supermarktregal vor einem lang laufen, während man ins Regal schaut. Ich würde das als das natürlichste der Welt bezeichnen. Sonst gäbe es im Supermarkt viel Stau. Vielleicht sollte ich auch anfangen mich mehr zu entschuldigen?
New York ist super! Parken ist super einfach! Ich mag meinen Job sehr gerne! Die Auswahl im Fernseher ist fantastisch! Wegman's (Luxus-Supermarkt) ist super! Da gibt es für jede Ernährungsart alles. Wenn ich mal Veganer werde, oder nur noch organisch essen will, oder glutenfrei... dann am besten hier. Es gibt so gar glutenfreies, veganes, koffein- und lactosefreies Mineralwasser. Ok... ich verfalle wieder in den ironisches Modus. Aber das steht da wirklich drauf! Wie die wohl die Lactose aus dem Wasser bekommen... das sollte man patentieren lassen. Es schmeckt immer noch wie vollwertiges Wasser!
Aber über diese positiven Dinge kann man wenig schreiben.

Eines der beste Dinge, die mir hier bisher begegnet sind, ist der mexikanische Tacoladen um die Ecke. (Mit "um die Ecke" meine ich hier weniger als 10 Minuten im Auto.) Außer mir treffe ich dort fast nur Latinos. Echt authentisches Essen. Super Preise. Ich glaube ich habe dort ein Drittel meiner bisherigen Abende in der neuen Wohnung verbracht. Aber auch damit lassen sich keine Seiten füllen.

Oh... ich weiß was. Aldi ist hier immer noch Aldi. Es ist der einzige Laden, in dem ich bisher das Wasser nicht aus dem Einkaufswagen auf das Band wuchten musste. Die Dame konnte das auch so eingeben. Ich bin beeindruckt... also unter dem Gesichtspunkt, dass man nie erwarten sollte, dass etwas klappt.
Und Heimwerken ist einfach. Wo ich in Deutschland einen Schlagbohrer brauchte, um ein Loch in die Wand zu bekommen, nehme ich hier einen Schraubenzieher... und drücke (meine Kraft reicht) das Loch in die Wand. Dübel rein und tadaaaaa es hält. Kabel verlegen? Einfach den Teppich (also zimmerfüllender Teppich als Bodenbelag) mit einer Zange anlupfen, Kabel drunter und den Teppich wieder auf dem Nagelbrett festklopfen. Da dies ein positiver Eintrag ist, sage ich jetzt nichts dazu, dass der Teppich durch die Nagelbretter an den Rändern natürlich uneben ist.

Noch ein paar Sachen zu Öffnungszeiten: Mein Fernseher wurde an einem Sonntag eingerichtet. Autowerkstätten haben auch am Wochenende geöffnet. Reinigungen haben Öffnungszeiten, die sich mit einem Job verbinden lassen. Pakete werden auch Samstags angeliefert. Alles in allem lässt sich also ein Berufsleben ganz gut mit dem restlichen Leben verbinden.

Das sollte jetzt erst einmal an positiven Dingen reichen. Kommt vorbei, um rauszufinden, was sonst noch alles super ist. :) Keine Angst... das führt zu was.

Sonntag, 22. März 2015

Professionelle Eiszeit

Nach der vorvorletzten Woche weiß ich, wie Winter in Entwicklungsländern sein muss. Ich glaube nicht, dass so etwas in Industrieländern vorkommt. Also Dienstag war zugegebener Maßen wirklich schlechtes Wetter. Daher bin ich dann auch mal früher von der Arbeit gegangen, um mich im Stau anzustellen. Also mit 5 Meilen pro Stunde über die Autobahn. Beim Kreuz zur nächsten Autobahn dann gesehen, dass diese komplett steht und auch die Auffahrt schon zweispurig steht. Ein Hügel voll mit LKWs. Also in die andere Richtung aufgefahren. Dort dann hinter einem LKW festgesteckt, der verzweifelt versucht, bergauf bei schneeglatter Straße ein Auto zu überholen, dass nicht schneller als 10 mph fahren will (vor ihm alles frei und wie gesagt... bergauf auch keine Rutschgefahr). Der LKW schafft aber (keine Ketten und wahrscheinlich auch keine Winterreifen) nicht mehr als 10,01 mph. So ging das eine Weile. Nächste Ausfahrt raus und über bergige Landstraßen (ein bisschen wie der Taunus hier) gefahren. Das hat dann richtig Spaß gemacht. War allerdings ein riesen Umweg.
Also in knackigen 1,5 Stunden nach Hause gekommen, nur um festzustellen, dass die Reinigung, zu der ich musste, wegen schlechtem Wetter einfach geschlossen hat. Und ich hatte keine Hemden mehr.

Naja... am nächsten Tag musste ich lange arbeiten und am Donnerstag hat es wieder geschneit. Ich also extra früh von der Arbeit weg, um zu Reinigung zu kommen. Null Stau, alle Straßen frei. Jeder Mensch sollte Auto fahren können... aber die Reinigung ist geschlossen. Jetzt auch keine Polohemden mehr.

Ich also nach Hause um bei Ikea Möbel zu bestellen, damit sie pünktlich am Umzugstag bei der neuen Wohnung eintreffen. Limit der EC-Karte reicht nicht. Ich rufe also meine Bank an. Limit können sie nicht erhöhen. Ich soll zu einer Filiale gehen. Ich also zu einer Filiale gefahren. (Wie gesagt, Auto fahren kein Thema.) Filiale hat wegen schlechten Wetters seit 1 Uhr mittags geschlossen. Ich rufe wieder an. Können sie wenigstens das Limit meiner Kreditkarte erhöhen? Es handelt sich ja (weil ich neu bin) um eine gesicherte Kreditkarte. Heißt, ich muss vorher das ganze Geld eh auf ein separates Konto überweisen. Also keine Gefahr für sie. Das können sie machen, dauert aber 5 Tage. Ich: "Ich brauche aber das Geld, was auf meinem Konto liegt, jetzt." Da können sie nichts machen. Supervisor gesprochen... da können sie nichts machen. Ich müsse verstehen, dass es um ihre Sicherheit gehe. Ich: "Sie müssen verstehen, dass es um mein Geld geht, dass auf ihrem Konto liegt und auf das sie mich nicht zugreifen lassen." Sie: "Ja, das tut ihr leid."

Also Ikea anrufen und fragen, ob ich die Rechnung aufteilen auf zwei Karten aufteilen kann. Ikea Hotline: "Wegen schlechtem Wetter hat die Hotline geschlossen." Ich lege auf. Ungläubig versuche ich es noch einmal. Tatsächlich... das Callcenter für ganz Amerika hat wegen schlechten Wetters geschlossen. Ich nehme also die Kreditkarte meiner Schwester, um zu zahlen. Ikea-Webseite: "Der Zahlungsprozess wurde abgeschlossen, wir können aber keine Bestätigung anzeigen. Bitte rufen Sie an, um zu fragen, ob die Bestellung eingegangen ist." *facepalm

Nächster Tag. Ich rufe morgens direkt zur offiziellen Öffnungszeit bei Ikea an. Immer noch wegen schlechten Wetters geschlossen. Als ich sie dann abends erreicht habe, konnten sie mir sagen, dass die Bestellung natürlich nicht durchgegangen ist und jetzt auch nicht mehr an dem von mir gewünschten Termin geliefert werden kann. Vielen Dank an alle Beteiligten.

Ich habe dann meinen Verfügungsrahmen auf 3000 Dollar ausgedehnt. Daraufhin hat meine Bank die EC zwei Tage später gesperrt, weil ich zwei Einkäufe für in Summr 800 Dollar getätigt habe. Das sah für sie verdächtig aus...

Ich lebe in einem Staat, in dem alle so viel Angst vor dem Wetter haben, dass mehrmals im Jahr die Supermärkte leergekauft sowie Schulen, Behörden und Geschäfte... und Banken... und Callcenter... geschlossen werden, weil Schnee kommt. Aber auf die Idee, sich Winterreifen zu kaufen, kommt niemand. 7cm Neuschnee über den Tag werden hier dann in den Nachrichten bereits als Schneesturm angekündigt und können 45 Minuten einer einstündigen Nachrichtensendung einnehmen. (Ich konnte den Sender in dem Fitnessraum nicht wechseln.) Innerhalb dieser Stunde gab es auch 3 (drei!) Liveschaltungen zum Salzdepot, von dem der Reporter berichtet, dass die Trucks jederzeit losfahren müssten, um zu streuen. Es könnte wirklich jetzt gleich soweit sein. Also jetzt gleich. Also bei der nächsten Schaltung. Das anzuschauen war fast anstrengender als Sport. Und es führte auch zu nichts.

Freitag, 6. März 2015

Unter Strom

Manchmal muss ich hier in Amerika an die alten Ostfriesen- oder auch Blondinenwitze denken. Wie viele Stunden braucht man in Amerika um sich bei einem Stromanbieter zu registrieren? 4! 3 Stunden Warteschleife, 20 Minuten Datenverifizierung, 20 Minuten hilfloses gesuche im System und 20 Minuten vorlesen von unnötigen Informationen.
Mein Stromanbieter ist mir von meinem Apartment vorgegeben. Wieso auch nicht? Sie bestimmen ja schon, wie ich mich versichere, welche Farbe meine Wände haben und was ich auf meinem Balkon machen darf. Also rufe ich beim Stromanbieter an und werde relativ schnell mit einem Vermittler verbunden. Der nimmt alle meine Daten (Name, Telefonnummer, Social Security Nummer, Adresse) auf und fragt erst dann, was ich will. Nachdem er es weiß, verbindet er mich weiter.
Dann habe ich das erste mal (ohne Witz) 40 Minuten in einer Telefonwarteschlange gewartet. Danach kommt eine Dame und fragt wieder nach meinem Namen, meiner Social Security Nummer... ich weise sie (noch) freundlich darauf hin, dass der Kollege das schon alles gemacht hätte. Aber sie muss es jetzt verifizieren. Danach erkläre ich noch einmal, dass ich Strom will.
Dafür braucht sie noch zusätzlich mein Alter, meinen Familienstand und fragt, ob ich sagen will, wie viel ich verdiene. Will ich natürlich nicht. Damit wäre ich dann aber Status D, muss also eine hohe Kaution zahlen. Also weiß mein Stromanbieter jetzt ich was ich verdiene. Danach stellt sie aber fest, dass ich ja Ausländer bin. Also muss ich trotzdem eine Kaution zahlen... für Strom. 126 Dollar. Und außerdem muss ich 2 Identifikationsdokumente mit Foto per Fax schicken. Zwei scheint hier bei allen offiziellen Vorgängen eine magische Zahl zu sein. Ein Dokument kann man ja fälschen, aber zwei... keine Chance.
Ich frage "per Fax? Ist das ihr Ernst? Haben sie keine Mailadresse?" Doch, das ginge auch. Die Adresse wäre M wie Marta, O wie Olaf, V wie Viktor.... so hat sie moveinappfollowup@firstenergycorp.com buchstabiert. Ich frage warum sie nicht move wie move, in wie in, app wie short for application, follow wie in follow und up wie in follow up und dann @ die Domain der Firma sagt, die überall steht. Das hat sie nicht verstanden. An diesem Punkt hatte sie mich schon gereizt, da ich nun schon 1,5h mit dem Sch**ß verbracht hatte und deswegen ein Meeting verpasst hatte. Nun kam noch hinzu, dass ich am nächsten Tag noch einmal anrufen solle, um zu sehen, ob meine Mail angekommen ist.

Zweiter Tag. Ich rufe an. Muss mich durch das Servicemenü wählen und dabei meinen Namen und meine Social Security Nummer eingeben. (Lustig: Bei meiner Bank muss ich der Computerstimme sogar meinen PIN nennen. Vielleicht sollten sie noch einführen, dass ich den auch am Geldautomat schreien muss, um Geld abzuheben. Die Karte könnten man dann immer an den nächsten in der Schlange weitergeben.) Dann meldet sich jemand, der meinen Namen wissen will. Dann wollte er noch die Adresse... und die Social Security. Ach und was ich wolle. Ja, da müsse er mich verbinden. 30 Minuten Warteschleife. Eine Dame. Sie braucht meinen Namen. Und meine Adresse. Ich frage, wieso schon wieder? Sie müsse schauen, ob sie den richtigen Account offen hat. Jetzt bräuchte sie noch meine Telefonnummer. Oh... und meine Social Security Nummer (ok... sie wollen immer nur die letzten 4 Stellen). Ich frage, ob denn drei Übereinstimmungen, nachdem der Kollege alles schon geprüft hat, nicht reichen und es wirklich 4 sein müssen. Keine Antwort. Was ich wolle. Ich (schon gereizt): "Ich will gar nichts. Sie wollen, dass ich anrufe, um zu fragen, ob eine Mail angekommen ist." Achso... sie schaut... Warteschleife. Warteschleife aus, Verbindung unterbrochen.
Ich rufe wieder an, gebe meinen Namen und die Social Security Nummer ein. Spreche mit einem Typ, der meinen Namen, meine Adresse und meine Social Security Nummer will und mich dann verbinden will. Ich:"Haaaaaaalt! Sie schicken mich jetzt nicht noch einmal in eine 30minütige Warteschleife." Aber ich müsse mit wem anderes reden. Ich: "Ja, aber sie haben mich aus der Leitung geschmissen und ich weiß nicht, wieso ich jetzt noch einmal warten soll. Außerdem muss ich in 5 Minuten in ein Meeting." Er: "Ja aber andere warten ja jetzt auch und die haben sicher auch zu tun." Ich: "Ja, aber die warten nicht zum zweiten Mal weil sie sie aus der Leitung geschmissen haben." Er: "Ich verbinde sie jetzt direkt mit der anderen Abteilung, damit Sie nicht warten müssen." Ich: "Wenn sie mich ganz normal mit der anderen Abteilung verbinden, werde ich wieder in der Warteschleife landen." Er: "Ja." Das war der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass die geistigen Fähigkeiten nicht ausreichen.
Er fragt aber noch, ob ich mit dem Anruf zufrieden bin. Ich: "Nein." Er: "Wenn sie mit dem Anruf nicht zufrieden sind können sie formal eine Beschwerde bei der Energiebehörde von Pennsylvania einlegen. Beschwerden können schriftlich oder... schicken Sie ihre Beschwerde..." Ich: "Ok, reicht schon. Bitte verbinden Sie mich jetzt." Er: "... Sitz der Behörde ist in 22334.... Beschwerden müssen mit einer Frist von..." Ich: "Verstanden. Bitte verbinden Sie mich jetzt." (Hier war der Punkt, an dem ich mir sicher war, dass die geistigen Fähigkeiten nicht ganz ausreichen.) Er: "... bitte geben Sie den Zeitpunkt des Telefonats und..." Ich: "Hören Sie mir überhaupt zu? Hören Sie auf meine Zeit zu verschwenden." Er: "...... Eingänge werden innerhalb von ... bearbeitet. Wir bedanken uns und wünschen einen schönen Tag." Warteschleife. Ich glaube es waren dann aber nur 20 Minuten.
Eine Dame. Name, Adresse, Social Security Nummer. Telefonnummer. Warum ich denn anrufe? Ja, sie schaut nach der Mail. Was deine meine Mailadresse wäre. Ich: "Steht doch in ihren Daten." Sie: "Ja, richtig." Wann ich geschrieben hätte. Ich: "Gestern. Ich weiß nicht genau wann. Aber mit meiner Mailadresse und dem Betreff, der von ihnen als meine Kundennummer festgelegt wurde, sollte es doch kein Problem sein, die Mail zu finden, anstatt nach der Uhrzeit zu gucken, da die Mail eh unbestimmte Transitzeiten hat." Sie: "Ja." Warteschleife.
Nein, also die Mail kann sie nicht finden. Ob ich den an moveinappfollowup@firstenergycorp.com geschrieben hätte. Ich bejahe. Findet sie trotzdem nicht. Sie können den Vertrag jetzt aber auch so abschließen. Ob ich mit dem Service soweit zufrieden wäre. Ich: "Es liegt jetzt nicht an Ihnen, aber wenn ich irgendwann mal die Chance habe, einen anderen Anbieter zu wählen, dann werde ich das machen. Leider habe ich die nicht." Sie: "Ja, aber wenn sie mit uns umziehen, müssen sie sich ja nicht mehr neu anmelden. Dann ist alles ganz einfach." Ich: "Da bin ich aber froh, dass Sie nur Neukunden schlecht behandeln." Das war wieder einer dieser Punkte, an denen ich mir nicht sicher bin, ob mein Gegenüber meine Ironie verstanden hat.
Jetzt wollte ich noch online einrichten, dass ich die Rechnungen nicht mit einem Check bezahlen muss, der per Post geschickt wird. Und ich muss sagen, das kann man echt schnell einrichten. Die Umsetzung des Bankeinzugs geht dann auch ruckzuck innerhalb von 4-6 Wochen. Dazwischen muss ich mit Checks zahlen. Zum einen versteht man, wie so ein Bankensystem leicht zusammenbrechen kann... zum anderen fragt man sich, wie man überhaupt von einem Bankensystem reden kann. Aber auch diese Gedanke führen hier zu nichts.

PS: Mir ist schon klar, dass der arme Kerl wahrscheinlich gezwungen wird, den gesamten Text für Beschwerden vorzulesen... aber das macht es nicht besser.

Sonntag, 22. Februar 2015

Einarbeitung

Wer hätte es gedacht; ich bin immer noch in den USA. Ihr merkt also, dass ich an mich halten kann. Wobei es mir zugegebener Maßen manchmal sehr schwer fällt. Ich muss noch lernen, so anpassungsfähig wie mein "relocation agent" zu werden. Die traut sich wirklich, mir Mails zu schreiben, in denen sie ihrer Chefin erzählt, wie gut doch die Wohnung in Easton zu mir passen würde, nachdem sie mir beim ersten Treffen noch gesagt hat, dass ich sicher nicht in Easton leben wolle. Deswegen musste ich die Wohnung auch selber finden. Ich glaube, nun allerdings verstanden zu haben, warum sie mir das am Anfang gesagt hat. Sie will einfach nicht so weit fahren.

Der Gedanken ist mir gekommen, als ich bei -10° Celsius alleine 20 Minuten vor dem Social Security Office in Allentown in Anzugshose gewartet habe, obwohl es ein Büro direkt zwischen meinem aktuellen Wohnort in Bethlehem und meinem Arbeitsplatz in Bethlehem gibt. Ihr ahnt es... sie wohnt in Allentown. Und trotz der kurzen Anreise wollte sie nicht so früh kommen... ihr war es zu kalt zum Warten. Aber ich helfe ihr ja gerne, ihren Job zu machen.

Dass die Niagara Fälle gefroren sind, zeigt, dass das Wetter hier etwas ungemütlich ist

Heute hat sie meine Gutmütigkeit dann aber doch etwas überstrapaziert, nachdem sie mir geschrieben hat, dass ich meinen lokalen Führerschein erst beantragen kann, wenn ich in meine neue Wohnung ziehe und dass ich dafür von meiner Personalabteilung noch ein weiteres Dokument bräuchte. Von beidem war bisher nie die Rede. Es stellte sich auch raus, dass beides falsch ist. Ihre Erklärung? Wenn ich die Adresse ändere, müsste ich mich bei der Führerscheinstelle noch einmal ummelden und sie dachte, ich möchte mir diesen Aufwand und die Kosten sparen. Ich habe kurz gegoogelt und siehe das; es geht kostenlos mit einem Onlineformular. Diesen Mist schreibt sie mir mit ihrer Chefin in CC ohne ein Wort der Entschuldigung oder Richtigstellung der vorherigen Mail. Ich hasse echt nichts mehr, als offensichtlich verarscht zu werden. Ok... Unfähigkeit ist oft eine zulässige Erklärung, aber ich kann nun nicht auf alles Rücksicht nehmen.
Als Außenstehender fragt man sich vielleicht, warum mich das jetzt so besonders reizt. Das liegt daran, dass ich ohne diesen Führerschein mein bereits bezahltes Auto nicht vom Händler abholen kann. Sie sollte doch wiesen, dass man sollte sich niemals zwischen einen Deutschen und sein Auto stellen sollte!

Man darf natürlich nicht vergessen, dass sie mich auch beim vielem unterstützt hat. So konnte ich ihr z.B. alle Fragen zu meinem Mietvertrag stellen. Die Antworten lassen sich mit "dass wäre hier halt so und ansonsten müsste ich mit dem Vermieter sprechen" zusammenfassen. Ich durfte allerdings erst unterschreiben, nachdem noch zwei Hierarchiestufen über meinem relocation agent zugestimmt haben. Das hat wirklich sehr geholfen. Diese Stufen haben dafür gesorgt, dass ich insgesamt 3 Mal per Mail versichern musste, dass ich verstanden habe, dass der Vertrag keine "diplomatic clause" enthält. (Ist egal was das ist.) Beim Thema C.Y.A. (cover your ass... it's a thing!) sind sie alle ganz stark.
Jetzt habe ich einen Mietvertrag unterschrieben, der es mir ausdrücklich verbietet, Nägel in eine Wand zu schlagen, weiter unten aber den Gebrauch normaler Nägel zulässt. Ich darf auch laut Vertrag nicht streichen. Gleichzeitig preist mein Vermieter (es ist ein Unternehmen, dass den ganzen Komplex verwaltet) an, dass man Farben aus einer vordefinierten Palette wählen kann, um zu streichen. Und ganz wichtig: Es ist verboten Handtücher auf dem Balkon zu trocknen. Außerdem habe ich unterschrieben, dass mein Vermieter unabhängig vom Grund nicht für Schäden an meinem Besitz haftet. Vermieter: "Das steht ja unter dem Absatz für zurückgelassene Sachen." Ich: "Warum steht dann da unabhängig vom Grund? Sie könnten bei einer Reparatur jetzt meine Sachen kaputt machen." Vermieter: "Ich verstehe, dass das verwirrt. Aber das machen wir ja nicht." Ich: "Würden Sie unterschreiben, dass Sie mir 1 Millionen Dollar gebe, wenn ich nackt über die Anlage renne und ich ihnen versichere, dass ich es nicht tue." Vermieter: "Nein." Aber ich bin froh, dass mein relocation agent abgesichert ist.

Hier werde ich bald wohnen

Mein relocation agent konnte mir auch an dieser Stelle wieder sehr helfen. Die Vermieter würden die Verträge halt so schreiben, dass sie zu ihren Gunsten sind. Sie würden das machen, um sich abzusichern. Jetzt frage ich mich wirklich, ob der nigerianische Prinz, der laut seiner Mail nur 1.000 Euro von mir braucht, damit er mir später 1.000.000 überweisen kann, sich auch einfach nur absichern will. Dann würde ich das auch verstehen und ihm das Geld natürlich sofort überweisen.
Einen habe ich noch. Alle Willenserklärungen müssen laut Mietvertrag schriftlich erfolgen. Der Vermieter darf explizit Mails nutzen, ich hingegen nur Einschrieben oder ich muss den Brief persönlich übergeben. Der Verwalter hätte aber am liebsten Mails von mir, weil das am einfachsten ist. Ende der Diskussion war mal wieder, dass die Verträge zentral vorgegeben sind und er nichts daran ändern kann. Laut Aussage des relocation agents sind aber alle Verträge so.

Das Schlimme ist, dass einem ein beharrliches Ausdiskutieren auch nichts bringt. Mein Ernst&Young Steuerberater hat es bisher immer noch nicht geschafft, mir meine zwei Fragen aus dem Dezember zu beantworten und das, obwohl ich ihn schon 3 Mal erinnert habe. Man bekommt immer irgendetwas zugeschickt, was aber nur ganz am Rande etwas mit der Fragestellung zu tun hat. Auf die Frage, warum ich auf Wechselkursgewinne von nicht realisierten Kapitalgewinnen meiner Lebensversicherung Steuern zahlen soll, schickt er mir die Definition, was eine Lebensversicherung ist. Wenn er als ausgebildeter Steuerberater das noch verstehen muss... ok... aber er soll mich damit in Ruhe lassen. Vielleicht sollte ich ihm mal wieder schreiben... aber das führt sicher zu nichts.

Samstag, 14. Februar 2015

Einstand

Neuer Job/Lebensabschnitt, also muss auch ein neuer Blog her. Mein Unternehmen hat sich entschieden, mir eine Führungsaufgabe in den USA zu übertragen und daher dachte ich, dass der Blogname eigentlich ganz gut passt. Viele der Wortspiele mit dem Substantiv von "führen" wären vielleicht politisch zu verfänglich. So oder so gilt: Es werden noch Wetten angenommen, wie lange es dauert, bis ich wegen "sexual harassment" (man darf hier Kolleginnen nicht einmal ein Kompliment machen) oder Beleidigungen von Minderheiten (als Deutschösterreicher bin ich ja eigentlich auch eine) meinen Job verliere. Bedenkt dabei: Ich werde mir Mühe geben!
Andere scheint das weniger zu kümmern. Einer der Autohändler meinte schon, ich hätte doch wohl keinen Punkt auf der Stirn (Anspielung auf den Geiz der Inder) oder meine Umsiedlungsagentin (relocation agent) bezeichnet die spanisch-sprechenden Minderheiten auch gerne als beste Kunden der sozialen Sicherungssysteme. Vielleicht muss ich einfach noch lernen, wo die richtige Trennlinie ist?
Außerdem muss ich auch noch lernen, dass man 15 Fuß von einem Feuerhydranten entfernt parken muss. Sonst kostet das 115 Dollar. Aber ich helfe New York City ja gerne, wenn sie das Geld bitte, bitte in die Straßen investieren. Der Begriff Clerasiltestgelände umschreibt den Straßenzustand von NYC bis Bethlehem wohl am besten. (Ja, da muss man zwei mal um die Ecke denken.)

Wie geht es mir? Gut! Ich habe z.B. ein Auto bei einem Nissanhändler in Delaware gekauft. Hätte ich auch nie von mir erwartet... aber er bietet zum Glück auch gebrauchte deutsche Autos. Warum in Delaware? Die Ammis haben meiner Meinung nach ganz anderer Vorstellungen als wir, was die wichtigsten Ausstattungsmerkmale eines Autos sind. Ich verstehe, dass man in Bethlehem keine Parksensoren braucht, weil überall genug Platz ist und ich sehe auch ein, dass Navigation mit dem Handy billiger ist, als ein fest installiertes Navigations... ich wollte aber beides. Und dafür musste ich halt weit fahren. Dafür bekommt man aber keinen BMW ohne das Premium Paket (Kofferraum geht mit dem Fuß aus, kein Zündschloss, Glasschiebedach...) Mein Auto steht allerdings immer noch beim Händler, da ich noch keine Social Security haben und daher das Auto nicht zu erträglichen Konditionen versichern kann. #Herzschmerz

Seit heute habe ich auch die Bestätigung, dass ich im März in eine Wohnung einziehen kann. Leider nur meine B-Option, aber Option A befindet sich noch immer im Bau und kann, obwohl man angeblich im März einziehen können soll, nicht mal einen Terminplan für die restliche Zeit vorweisen. Daher musste ich schweren Herzens einsehen, dass der Immobilienentwickler nicht wirklich zuverlässig ist.

Arbeit läuft soweit gut. Das mag aber auch daran liegen, dass es alles noch Einarbeitung ist und daher noch entspannt. Ich habe schon mehrfach das Vergnügen mit der indischen Technik-Hotline machen dürfen (ich spare mir aus Übungszwecken alle unangebrachten Äußerungen dazu) und bin optimistisch, dass ich innerhalb des ersten Monats alle noch offenen technischen Probleme überwinden werde. Ich hoffe, dass ich für diesen Optimismus nicht bestraft werde.
Meine Mitarbeiter sind (ohne Ironie) wirklich nett und haben soweit einen guten Eindruck hinterlassen. Die Prozesse erscheinen aber so, als ob durchaus noch Verbesserungen möglich sind. Mir wird nicht langweilig werden. So hat die Logistik schon in meiner ersten Woche einen Produktionsbereich stillgelegt. Ich möchte hier meine Gruppe aber gleich explizit in Schutz nehmen. Ich sehe den Fehler auch an einer anderen Stelle.

Für heute soll es das mal gewesen sein. Ich könnte mich noch lange beklagen, aber das führt zu nichts.