Nein, ich bekomme hier keinen Dienstwagen. Aber die Überschriften hatten bisher alle etwas mit Arbeit zu tun und dieses verbindende Thema wollte ich beibehalten.
Eine meiner ersten Handlungen in den USA war, ein Auto zu kaufen. Noch bevor ich einen Führerschein hatte. Widerspricht dass jeglicher Vernunft? Ja, tut es. Habe ich es trotzdem gemacht? Ja! Wieso? Weil halt...
Ich gebe hier ganz offen und ehrlich zu, dass ich da eventuell etwas emotional und nicht ganz rational vorgegangen bin. Ansonsten hätte ich für das gleiche Geld wahrscheinlich mehr Auto bekommen. Mehr kann hier mehr Ausstattungsmerkmale (Asiaten) oder auch einfach mehr Blech (Ammis) bedeuten. Aber als alter BMW-Fan wollte ich halt unbedingt einen BMW. Und ich wollte einen, den ich im Zweifelsfall auch mit nach Deutschland importieren kann. Da entstanden die ersten Probleme.
Hier kauft man ja keine selbst konfigurierten Neuwagen sondern in der Regel vorkonfigurierte Neuwagen oder halt einen Gebrauchten. Ich brauchte schnell ein Auto, da ich sonst selbst den Mietwagen hätte zahlen müssen, womit nur vorkonfigurierte oder gebrauchte Autos blieben. Der Amerikaner hat nun aber ganz andere Wünsche als ich. BMW gibt es hier schon mal gar nicht ohne Premium Paket. Heißt keyless entry, Lendenstütze und elektrisches Sonnendach sind schon mal fix. Dafür hätte ich jetzt nicht gezahlt. Dafür wollen die Ammis aber alle keine Parksensoren. Ok... braucht man in Pennsylvania auch nicht. So wie die parken, merkt man aber auch, dass sie es nie geübt haben. Parksensoren gibt es dann auch nur in der Kombination mit der Rückfahrkamera. (Hier ist ein Gesetz dafür in Vorbereitung. Trotzdem hätte ich dafür auch nicht gezahlt.) Das Winterpaket mit beheizbaren Rücksitzen und beheiztem Lenkrad ist wieder quasi Pflicht... für ein Navi wollen sie dann wieder nicht zahlen. Teilbare Rücklehne ist auch nicht normal. Dass das head-up display schwer zu bekommen ist, kann ich verstehen, aber diese Spielerei hätte ich echt gerne gehabt.
Fazit: Das, was ich wollte, war schwer zu finden. Irgendwann habe ich aber genau das Auto gefunden, sogar in meiner Farbe. Leider in Delaware. In meinem Kopf wurde dann aber irgendein Schalter umgelegt der gesagt hat: Du MUSST dieses Auto kaufen. Die erste Woche habe ich dann mit Telefonaten mit dem Autohändler (Nissan... sic!) verbracht, der es mir erst mal nicht verkaufen wollte, weil ich ja noch nicht alle Papiere hatte. Ich musste dann ihn überzeugen, dass es gut für ihn ist, wenn ich das Auto voll bezahle und es halt noch 2 Wochen beim ihm stehen lasse. Nach einer Woche hat er dann wohl verstanden, dass er als Händler das Auto verkaufen sollte und dass es nicht schlecht ist, den vollen Betrag sofort zu bekommen. Ich helfe ja gerne...
Ich also mit dem Mietwagen nach Delaware gefahren, abends um 8 angekommen (Händler hat bis 9 auf) und Probefahrt gemacht. Absolut begeistert gewesen, bis ich festgestellt habe, dass er kein head-up display hatte. Ich also gefragt, was da los sei. Ich musste ihn dann wiederum zeigen, dass er ihn im Internet mit head-up display angeboten hat. Damit sind wir wieder beim Thema, dass man hier halt nicht erwarten kann, dass beim ersten Mal etwas klappt. Man kann nicht mal vom einem Autohändler erwarten, dass er weiß, was er verkauft. Das war dem Händler so peinlich, dass er mir ein zugegebener Maßen sehr attraktives Angebot gemacht hat, welches ich dann angenommen habe. Man muss halt immer das Positive sehen. Vielleicht hat mich auch überzeugt, dass der Puerto-Ricaner meinte, mein Spanisch wäre akzentfrei und nur im Englischen würden man ein bisschen hören, dass ich Deutscher bin. War es gelogen? Klar! Ich nehme es trotzdem an.
Hätte ich gewusst, was folgt, hätte ich vielleicht besser nicht unterschrieben. Denn jetzt wurde es richtig amerikanisch. Ich sollte also zahlen. Natürlich hatte ich vorher gefragt, wie ich zahlen soll. Antwort: Scheck. Ich zücke also mein Scheckbuch (kriegt man hier automatisch... hätte ich sonst nie gewollt) und fange an, den Scheck auszufüllen, woraufhin er "Stopp" ruft. Ich schaue ihn an. Er: "Wir haben ein Problem." Ich: "Welches?" Er: "Das ist kein gesicherter Scheck." Ich: "Hätten Sie einen gewollt, hätten Sie das vorher sagen sollen." Er: "Den kann ich jetzt aber nicht annehmen. Ich weiß ja nicht, ob Sie das Geld haben." Ich: "Soll ich einen Kontoauszug zeigen?"... ihr ahnt, es wurde wieder eine sinnlose Diskussion. Ich also am nächsten Tag zur Bank und hole mir einen gesicherten Scheck, verschicke den mit FedEx und kein Spaß... das ist günstiger, als das Geld zu überweisen.
Irgendwann hatte ich dann meine Sozialversicherungsnummer, meinen Führerschein und die Versicherung für das Auto zusammen. Genau genommen hatte ich die "learner's permit" und damit konnte ich eine Versicherung abschließen, die mit dem deutschen Führerschein nicht bezahlbar gewesen wäre. Wieder gefragt, ob ich sonst noch etwas brauche. Nein, natürlich nicht. Also mit dem Bus nach Delaware gefahren. Das ist ein Abenteuer für sich gewesen... aber dazu ein ander mal mehr. Dort angekommen, 2 Stunden gewartet damit sie mir mein Auto aushändigen, was ich schon lange bezahlt hatte, dadurch schon leicht gereizt gewesen und dann kam es. Sie können das Auto nicht auf mich anmelden. Wieso? Ich hätte ja keinen gültigen Führerschein. Ich: "1. Ich hatte vorher gefragt und 2. was ist falsch an der learner's permit?" Mit der dürfte ich ja nicht fahren. Ich: "Aber ich habe einen gültigen deutschen Führerschein, mit dem ich bis zu 60 Tage in den USA fahren darf und für alle anderen Dokumente hat bisher auch die learner's permit gereicht. Die Führerscheinnummer wird genau die gleiche sein." Nein, kann er nicht machen. Aaaaber er hat eine Lösung.
Ich könne das Auto mitnehmen und selber anmelden. Ich: "Ich bin mit sicher, dass das wieder aus irgendeinem Grund nicht geht." Nein, wäre gar kein Thema, sobald ich den lokalen Führerschein hätte. Er müsse mir dann jetzt aber vom Kaufpreis die Steuer zurückgeben, da ich die bei der Anmeldung zahlen muss. Ich nun etwas mehr angesäuert: "Wie kriege ich das Geld?" Schickt er mir per Post. Ich: "Ich hätte gerne einen gesicherten Scheck und zwar jetzt." Kann, er nicht, da die Damen, die das machen, samstags nicht arbeiten. Ich (zugegebener Maßen nur um ihn zu ärgern): "Ich habt mir ja nicht vertraut, dass ich meinen Teil zahlen kann, wieso soll ich euch jetzt glauben, dass ihr mir das Geld zurückgeben könnt?" Er könne mir auf einen Zettel schreiben, dass ich das Geld bekomme. Ich: "Ihr habt nicht akzeptiert, dass ich euch das auf einen Zettel namens Scheck schreibe. Also akzeptiere ich das auch nicht." Jetzt wurde er komplett hilflos. Irgendwann wurde es mir zu doof, das Spiel zu spielen und ich habe ihn vom Haken gelassen. Er solle mir jetzt den Fahrzeugbrief geben und dann sei ich weg. Er: "Kann ich nicht."
An dieser Stelle wurde ich dann etwas emotional, ungehalten oder auch umprofessionell. "Wieso?" "Darf ich nicht." "WIESO?" "Das Auto ist ja nicht auf dich zugelassen. Deshalb darf ich dir den Fahrzeugbrief nicht geben." "Ist das Auto auf euch zugelassen?" "Nein." "Wieso dürft ihr dann den Fahrzeugbrief haben?" "Das wäre das Gesetz." "Ich habe dieses Auto vollständig bezahlt und es gehört mir. Wenn es weder auf euch noch auf mich zugelassen ist, dann will ich den Fahrzeugbrief von meinem Auto." "Aber das Auto ist doch nicht auf dich zugelassen, was willst du, dass ich mache?"
An dieser Stelle hatte das Gespräch eine Lautstärke erreicht, dass der gesamte Verkaufsraum gut zuhören konnte. Daher haben doch sehr viele Leute geschaut, als ich meinte "I WANT YOU TO STOP THE BULLSHIT AND GIVE ME MY FUCKING TITLE!" Ich glaube das hat nicht ganz ins Bild gepasst. Also musste natürlich ein Manager her. Der hatte natürlich totales Verständnis für meinen Frust. Aber er könne mir den Fahrzeugbrief nicht geben. Ich: "Wieso?" Er: "Der liegt im Safe und da kommen wir heute nicht dran."
...
...
...
Nachdem ich die Fassung wieder gefunden hatte, fragte ich wieso denn kein Mensch auf die Idee kommt, den Fahrzeugbrief aus dem Safe zu holen, wenn sie seit einer Woche wissen, wann ich komme. Das wäre eine sehr gute Frage.
Die Moral von der Geschichte. Aufregen führt hier zu nichts...
Nun noch der Treppenwitz: Man kann sein Auto in Pennsylvania natürlich nicht selber anmelden. Das muss von autorisierten Händler gemacht werden. Ich also den Händler angerufen und gesagt, dass er es machen soll. Den Scheck hatte (der Arsch) mir nach einer Woche eh noch nicht geschickt. Daraufhin musste er aber erst einmal prüfen, ob denn der Scheck verschickt wurde. Es hat dann eine Woche gedauert, bis er feststellen konnte, dass es noch nicht geschehen ist. Dann hat er das Auto für mich angemeldet.