Ein neuer Post! Heißt das, dass ich noch lebe? Ja. Heißt das, dass die Diss fertig ist? Nein. Wieso? Weil die Laufzeit der Simulationsläufe einfach ewig ist. Aber da ansonsten alles fertig ist, kann ich so langsam wieder ein normales Leben aufnehmen. Daher war es auch Zeit für einen Kurzurlaub in New Orleans. Der Reisführer hat empfohlen jegliche Witze in Zusammenhang mit Katrina besser sein zu lassen, daher auch keine Anspielungen auf ein feuchtfröhliches Wochenende oder dass bei einigen alle Dämme gebrochen sind... es war einfach ein sehr intensives verlängertes Wochenende.
Bin freitags um 3:30 aufgestanden und mit dem Flieger nach Atlanta geflogen, wo mich ein Kollege mit einem weiteren Begleiter (ich bleibe mal bei der no name policy) für einen 6 Stunden Roadtrip nach Louisiana abgeholt hat. Ab ins Hostel (geteilte Bäder yeah!) und von dort zu einer Rooftop Bar um diesen Blick zu genießen. Ab da war ich angekommen.
Ein paar Tecate später wanderte der Blick von dem ein oder anderen schon wo anders hin aber das nur so nebenbei. Da es sich auf leeren Magen so schlecht trinkt, erst mal ab zum Mexikaner (Frauen kennengelernt) von dort in eine Bar am Ende der Bourbon Street (Frauen kennengelernt) und dann wieder raus aus der Bar (Frauen kennengelernt), um schließlich in einem HipHop-Schuppen zu enden. Das hat natürlich noch nicht gereicht, weshalb wir danach noch in eine "dive bar" sind. Am treffendsten kann man "dive bar" wahrscheinlich mit Spelunke übersetzen... oder auch einfach Absturzbar. Und jetzt ratet mal, was dort geschehen ist? Genau. Frauen kennengelernt.
Ich muss an dieser Stelle aber auch gleich sagen, dass die Props dafür alleine an meinen Begleiter gehen, aber es war es war eindeutig eine neue Erfahrung für mich. Bleibt die große Frage, ob man dafür nach New Orleans muss? Die Antwort ist ganz klar "ja". In New Orleans darf man doch tatsächlich mit einem alkoholischen Getränk auf die Straße, so lange es in einem Plastikbecher ist. Das heißt die Bars können bei 30 Grad Türen und Fenster öffnen und man kann auch mal vor der Tür, um mit jemanden zu reden. Ich hätte niemals gedacht, dass ich das so vermissen kann. Sorgt wirklich für ein komplett anderes Gefühl. Außerdem gibt es keine Sperrstunde, so dass man tatsächlich um 2 Uhr morgens, wenn man noch ganz ganz viel Durst hat, immer noch etwas zu trinken bekommt. Einziges Problem ist in Amerika natürlich, dass nicht alle mit der Freiheit, lange in der Öffentlichkeit trinken zu dürfen, umgehen können. Da sieht man auch jede Menge menschliches Elend. Die Bourbon Street ist wie die 10 mal längere Version der Schinkenstraße (Malle)... gut, das schwächt mein Argument, weil dort auch Europäer nicht wirklich mit Alkohol umgehen können.
Ich bleibe aber dabei, dass die Stadt einfach positive Schwingungen hat (wollte nicht vibe schreiben, aber die Übersetzung klingt auch irgendwie komisch). Ich denke dieses Foto sollte dafür Beweis genug sein. (Kein Photoshop!)
Aber natürlich fährt man nach new Orleans nicht wegen des Alkohols sondern wegen der Musik und des Essens. Für mich als alten Allergiker ist die Auswahl an Cajun-Küche jedoch leider etwas eingegrenzt, wobei Poboys schon sehr lecker sind. Das ist deren Wort für Sandwich. Warum bei einer Küche, die laut Wikipedia auch von Deutschen beeinflusst wurde, nun gerade das Wort Poboy für Sandwich gewählt wurde, bleibt mir allerdings schleierhaft.
Für die Musik geht man auf die Frenchman Street (da haben wir übrigens auch Frauen kennengelernt) oder eben auf das Jazz und Heritage Festival, dass zu dieser Zeit lief. Das war unser Ziel. Publikumsmagnet für den Abend waren die Red Hot Chili Peppers und die Vorfreude war sehr groß. Leider mussten wir dann aber feststellen, dass die Amerikaner wirklich alles disneysieren. Das familienfreundlichste Musikfestival der Welt. Der Rekord für die meisten Festivaltoiletten mit Klopapier geht auf jeden Fall schon mal nach New Orleans. Außerdem gab es überall Ordner, Leute die gekühltes Bier verkaufen, Geldautomaten und sogar richtig gutes Essen. Bei 30 Grad auch sehr nützlich: Zelte in denen Wasserdunst auf die Zuschauer nieder rieselt. Wirklich alles sehr gut organisiert. Selbst die Besucher waren sehr gut organisiert. Die kamen morgens schon mit Decken und Sitzen, um sich die besten Plätze zu reservieren, und dann den ganzen Tag dort zu picknicken. Damit man seinen Platz in der Mengen wieder findet, wurden dann noch Flaggen aufgestellt. Deutscher geht es ja fast kaum noch.
Bei all dem haben die Ammis aber leider den Spaß vergessen. Selbst bei den Red Hot Chili Peppers gab es kaum Bewegung im Publikum und man wurde schon böse angeschaut, wenn man aus Versehen mit dem Fuß gegen den auf dem Boden liegenden Rucksack des Hintermanns gekommen ist. Das ist der echte Rock&Roll life style. Ach so... auf dem Festival haben wir auch wieder zwei Gruppen von Frauen kennengelernt.
Was gibt es sonst noch zu erzählen? Wir wurden gefragt ob wir schwul sind (weil wir auf den östlichen Teil der Bourbon Street wollten), unser Hostel hielt es für eine gute Idee, am Sonntagmorgen um 8:30 ein Vordach abzureißen, ich wurde von Afroamerikanerinnen beim Tanzen gefilmt und es sind ständig Leute zusammengebrochen. Z.B. im Club, weshalb unten gleich die Polizei vorfuhr. Aus dem Wagen stiegen aber nicht nur zwei Polizisten, sondern auch gleich zwei Kameramänner aus, die das ganze festhalten. Unterschichten-TV vom Feinsten. In dem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass die Amerikaner für viele Dinge des Lebens einfach nicht so schöne Wörter haben wie wir. An andere Stelle lagen zwei weinende und schreiende Frauen auf der Straße, woraufhin ein Kerl eine von beiden einfach auf die Schulter genommen und weggetragen hat. Als ich die "Dame" gefragt habe, ob das denn ok sei, wollten der Kerl mir natürlich gleich eines auf die Fresse geben. Nachdem er sie abgestellt hat, um der Aussage Nachdruck zu verleihen, hat sie ihn aber mit dem über das komplette Gesicht verlaufenen Mascara umarmt... ich habe das mal als ein "ja" interpretiert und habe mich getrollt.
Vielleicht noch ein Zitat von einer Amerikanerin, die ich dort getroffen habe und die im Lehigh Valley (da lebe ich) ihren Bachelor gemacht hat. "30jährige, die im Lehigh Valley ausgehen, sind creepy". Sie könnte mich aber mit ein paar Mädels bekannt machen... "colleague girls are easy". Ich glaube das führt zu nichts...

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