Manchmal muss ich hier in Amerika an die alten Ostfriesen- oder auch Blondinenwitze denken. Wie viele Stunden braucht man in Amerika um sich bei einem Stromanbieter zu registrieren? 4! 3 Stunden Warteschleife, 20 Minuten Datenverifizierung, 20 Minuten hilfloses gesuche im System und 20 Minuten vorlesen von unnötigen Informationen.
Mein Stromanbieter ist mir von meinem Apartment vorgegeben. Wieso auch nicht? Sie bestimmen ja schon, wie ich mich versichere, welche Farbe meine Wände haben und was ich auf meinem Balkon machen darf. Also rufe ich beim Stromanbieter an und werde relativ schnell mit einem Vermittler verbunden. Der nimmt alle meine Daten (Name, Telefonnummer, Social Security Nummer, Adresse) auf und fragt erst dann, was ich will. Nachdem er es weiß, verbindet er mich weiter.
Dann habe ich das erste mal (ohne Witz) 40 Minuten in einer Telefonwarteschlange gewartet. Danach kommt eine Dame und fragt wieder nach meinem Namen, meiner Social Security Nummer... ich weise sie (noch) freundlich darauf hin, dass der Kollege das schon alles gemacht hätte. Aber sie muss es jetzt verifizieren. Danach erkläre ich noch einmal, dass ich Strom will.
Dafür braucht sie noch zusätzlich mein Alter, meinen Familienstand und fragt, ob ich sagen will, wie viel ich verdiene. Will ich natürlich nicht. Damit wäre ich dann aber Status D, muss also eine hohe Kaution zahlen. Also weiß mein Stromanbieter jetzt ich was ich verdiene. Danach stellt sie aber fest, dass ich ja Ausländer bin. Also muss ich trotzdem eine Kaution zahlen... für Strom. 126 Dollar. Und außerdem muss ich 2 Identifikationsdokumente mit Foto per Fax schicken. Zwei scheint hier bei allen offiziellen Vorgängen eine magische Zahl zu sein. Ein Dokument kann man ja fälschen, aber zwei... keine Chance.
Ich frage "per Fax? Ist das ihr Ernst? Haben sie keine Mailadresse?" Doch, das ginge auch. Die Adresse wäre M wie Marta, O wie Olaf, V wie Viktor.... so hat sie moveinappfollowup@firstenergycorp.com buchstabiert. Ich frage warum sie nicht move wie move, in wie in, app wie short for application, follow wie in follow und up wie in follow up und dann @ die Domain der Firma sagt, die überall steht. Das hat sie nicht verstanden. An diesem Punkt hatte sie mich schon gereizt, da ich nun schon 1,5h mit dem Sch**ß verbracht hatte und deswegen ein Meeting verpasst hatte. Nun kam noch hinzu, dass ich am nächsten Tag noch einmal anrufen solle, um zu sehen, ob meine Mail angekommen ist.
Zweiter Tag. Ich rufe an. Muss mich durch das Servicemenü wählen und dabei meinen Namen und meine Social Security Nummer eingeben. (Lustig: Bei meiner Bank muss ich der Computerstimme sogar meinen PIN nennen. Vielleicht sollten sie noch einführen, dass ich den auch am Geldautomat schreien muss, um Geld abzuheben. Die Karte könnten man dann immer an den nächsten in der Schlange weitergeben.) Dann meldet sich jemand, der meinen Namen wissen will. Dann wollte er noch die Adresse... und die Social Security. Ach und was ich wolle. Ja, da müsse er mich verbinden. 30 Minuten Warteschleife. Eine Dame. Sie braucht meinen Namen. Und meine Adresse. Ich frage, wieso schon wieder? Sie müsse schauen, ob sie den richtigen Account offen hat. Jetzt bräuchte sie noch meine Telefonnummer. Oh... und meine Social Security Nummer (ok... sie wollen immer nur die letzten 4 Stellen). Ich frage, ob denn drei Übereinstimmungen, nachdem der Kollege alles schon geprüft hat, nicht reichen und es wirklich 4 sein müssen. Keine Antwort. Was ich wolle. Ich (schon gereizt): "Ich will gar nichts. Sie wollen, dass ich anrufe, um zu fragen, ob eine Mail angekommen ist." Achso... sie schaut... Warteschleife. Warteschleife aus, Verbindung unterbrochen.
Ich rufe wieder an, gebe meinen Namen und die Social Security Nummer ein. Spreche mit einem Typ, der meinen Namen, meine Adresse und meine Social Security Nummer will und mich dann verbinden will. Ich:"Haaaaaaalt! Sie schicken mich jetzt nicht noch einmal in eine 30minütige Warteschleife." Aber ich müsse mit wem anderes reden. Ich: "Ja, aber sie haben mich aus der Leitung geschmissen und ich weiß nicht, wieso ich jetzt noch einmal warten soll. Außerdem muss ich in 5 Minuten in ein Meeting." Er: "Ja aber andere warten ja jetzt auch und die haben sicher auch zu tun." Ich: "Ja, aber die warten nicht zum zweiten Mal weil sie sie aus der Leitung geschmissen haben." Er: "Ich verbinde sie jetzt direkt mit der anderen Abteilung, damit Sie nicht warten müssen." Ich: "Wenn sie mich ganz normal mit der anderen Abteilung verbinden, werde ich wieder in der Warteschleife landen." Er: "Ja." Das war der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass die geistigen Fähigkeiten nicht ausreichen.
Er fragt aber noch, ob ich mit dem Anruf zufrieden bin. Ich: "Nein." Er: "Wenn sie mit dem Anruf nicht zufrieden sind können sie formal eine Beschwerde bei der Energiebehörde von Pennsylvania einlegen. Beschwerden können schriftlich oder... schicken Sie ihre Beschwerde..." Ich: "Ok, reicht schon. Bitte verbinden Sie mich jetzt." Er: "... Sitz der Behörde ist in 22334.... Beschwerden müssen mit einer Frist von..." Ich: "Verstanden. Bitte verbinden Sie mich jetzt." (Hier war der Punkt, an dem ich mir sicher war, dass die geistigen Fähigkeiten nicht ganz ausreichen.) Er: "... bitte geben Sie den Zeitpunkt des Telefonats und..." Ich: "Hören Sie mir überhaupt zu? Hören Sie auf meine Zeit zu verschwenden." Er: "...... Eingänge werden innerhalb von ... bearbeitet. Wir bedanken uns und wünschen einen schönen Tag." Warteschleife. Ich glaube es waren dann aber nur 20 Minuten.
Eine Dame. Name, Adresse, Social Security Nummer. Telefonnummer. Warum ich denn anrufe? Ja, sie schaut nach der Mail. Was deine meine Mailadresse wäre. Ich: "Steht doch in ihren Daten." Sie: "Ja, richtig." Wann ich geschrieben hätte. Ich: "Gestern. Ich weiß nicht genau wann. Aber mit meiner Mailadresse und dem Betreff, der von ihnen als meine Kundennummer festgelegt wurde, sollte es doch kein Problem sein, die Mail zu finden, anstatt nach der Uhrzeit zu gucken, da die Mail eh unbestimmte Transitzeiten hat." Sie: "Ja." Warteschleife.
Nein, also die Mail kann sie nicht finden. Ob ich den an moveinappfollowup@firstenergycorp.com geschrieben hätte. Ich bejahe. Findet sie trotzdem nicht. Sie können den Vertrag jetzt aber auch so abschließen. Ob ich mit dem Service soweit zufrieden wäre. Ich: "Es liegt jetzt nicht an Ihnen, aber wenn ich irgendwann mal die Chance habe, einen anderen Anbieter zu wählen, dann werde ich das machen. Leider habe ich die nicht." Sie: "Ja, aber wenn sie mit uns umziehen, müssen sie sich ja nicht mehr neu anmelden. Dann ist alles ganz einfach." Ich: "Da bin ich aber froh, dass Sie nur Neukunden schlecht behandeln." Das war wieder einer dieser Punkte, an denen ich mir nicht sicher bin, ob mein Gegenüber meine Ironie verstanden hat.
Jetzt wollte ich noch online einrichten, dass ich die Rechnungen nicht mit einem Check bezahlen muss, der per Post geschickt wird. Und ich muss sagen, das kann man echt schnell einrichten. Die Umsetzung des Bankeinzugs geht dann auch ruckzuck innerhalb von 4-6 Wochen. Dazwischen muss ich mit Checks zahlen. Zum einen versteht man, wie so ein Bankensystem leicht zusammenbrechen kann... zum anderen fragt man sich, wie man überhaupt von einem Bankensystem reden kann. Aber auch diese Gedanke führen hier zu nichts.
PS: Mir ist schon klar, dass der arme Kerl wahrscheinlich gezwungen wird, den gesamten Text für Beschwerden vorzulesen... aber das macht es nicht besser.
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