Ich glaube ich habe mich jetzt fast eingelebt. Langsam könnte ich also produktiv werden. Entweder für meinen Arbeitgeber oder für meine Diss. Dabei könnte ich vielleicht auch ein bisschen weniger essen, da ich meinen Gürtel schon ein Loch weiter stellen musste. Das könnte natürlich daran liegen, dass ich vom vielen Möbel Tragen, Aufbauen und Einräumen gut trainierte "love handels" bekommen habe. Gibt es in der Ecke überhaupt Muskeln?
Meine Wohnung ist jetzt also so weit, dass ich Besuch empfangen kann. So sah es vor kurzem aus:
So sieht es jetzt aus:
Betrachtet das als offizielle Einladung. Was man dann hier unternehmen kann, weiß ich allerdings noch nicht. Aber ich habe jede Menge Flyer. Es gibt auf jeden Fall Weintouren. Oh... und man kann essen. Das habe ich schon ausgiebig getestet.
Um ein gewisses Gleichgewicht zu halten, sollte ich vielleicht in diesem Blog über ein paar positive Dinge in den USA schreiben. Man kann in diesem Land nämlich durchaus gut leben, wenn man einmal alle Dokumente ausgefüllt hat und eine gewisse Einstellung übernommen hat. Welche Einstellungen? Eine deutsche Kollegin meinte "erwarte einfach nie, dass etwas beim ersten Mal funktioniert". Ich schaffe es zwar noch nicht ganz, das umzusetzen, aber ich hoffe, da noch hinzukommen.
Vielleicht passen sich die Amerikaner aber auch an mich an. Eine Mitarbeiterin der Firma, die mein Apartment vermietet, hat zum Beispiel schon aufgegeben. Man soll hier zum Einzug ein Dokument mit allerlei persönlichen Daten ausfüllen. Sie wollten für mein Auto z.B. mein Nummernschild (ok), den Hersteller (ok), das Modell (ok), das Jahr (als ob die einen 2013er BMW von einem 2014er unterscheiden könnten... aber ok), die Farbe (ok), die Fahrgestellnummer (wie bitte? Ääääh nein), die Nummer meiner Autoversicherungspolice (definitiv nicht ok)... und so weiter. Ich habe das dann nur bis zur Farbe ausgefüllt. Dank ihrer hervorragenden Ausbildung, hat die Dame, die nicht mal die Maße der Wohnung kennt, die sie vermietet (es gibt hier keine Pläne!), sofort erkannt, dass ich das Dokument nicht vollständig ausgefüllt habe. Sie: "Diese Felder sollten auch noch ausgefüllt werden." Ich: "Wollen Sie mein Auto verkaufen?" Sie: "Nein, aber wir brauchen die Angaben." Ich: "Wofür?" Sie: "Das ist unsere Richtlinie." Ich: "Das sagt aber nicht, wofür Sie die Daten brauchen." Sie:" Wenn was passiert, müssen wir ja wissen, wem das Auto gehört." Ich: "Dafür haben Sie das Nummernschild und meinen Namen." Sie schwer gereizt: "Wenn Sie es nicht ausfüllen wollen, dann lassen Sie es halt. Ich werde das dem Manager so sagen. Alle anderen haben das ausgefüllt."
Ich war kurz davor zu antworten, ob sie denn von der Klippe springen würde wenn... aber ich habe es dabei belassen und mich gefreut, so schnell aus der Diskussion gekommen zu sein.
Nun aber vielleicht zu den echt positiven Seiten. Einkaufen am Sonntag ist super! Autos sind super bezahlbar! Sprit und Mineralwasser haben ähnliche Preise! Man braucht fast kein Bargeld! Dienstleistungen sind super günstig! Die Mehrheit ist super höflich... die entschuldigen sich sogar, wenn sie beim Supermarktregal vor einem lang laufen, während man ins Regal schaut. Ich würde das als das natürlichste der Welt bezeichnen. Sonst gäbe es im Supermarkt viel Stau. Vielleicht sollte ich auch anfangen mich mehr zu entschuldigen?
New York ist super! Parken ist super einfach! Ich mag meinen Job sehr gerne! Die Auswahl im Fernseher ist fantastisch! Wegman's (Luxus-Supermarkt) ist super! Da gibt es für jede Ernährungsart alles. Wenn ich mal Veganer werde, oder nur noch organisch essen will, oder glutenfrei... dann am besten hier. Es gibt so gar glutenfreies, veganes, koffein- und lactosefreies Mineralwasser. Ok... ich verfalle wieder in den ironisches Modus. Aber das steht da wirklich drauf! Wie die wohl die Lactose aus dem Wasser bekommen... das sollte man patentieren lassen. Es schmeckt immer noch wie vollwertiges Wasser!
Aber über diese positiven Dinge kann man wenig schreiben.
Eines der beste Dinge, die mir hier bisher begegnet sind, ist der mexikanische Tacoladen um die Ecke. (Mit "um die Ecke" meine ich hier weniger als 10 Minuten im Auto.) Außer mir treffe ich dort fast nur Latinos. Echt authentisches Essen. Super Preise. Ich glaube ich habe dort ein Drittel meiner bisherigen Abende in der neuen Wohnung verbracht. Aber auch damit lassen sich keine Seiten füllen.
Oh... ich weiß was. Aldi ist hier immer noch Aldi. Es ist der einzige Laden, in dem ich bisher das Wasser nicht aus dem Einkaufswagen auf das Band wuchten musste. Die Dame konnte das auch so eingeben. Ich bin beeindruckt... also unter dem Gesichtspunkt, dass man nie erwarten sollte, dass etwas klappt.
Und Heimwerken ist einfach. Wo ich in Deutschland einen Schlagbohrer brauchte, um ein Loch in die Wand zu bekommen, nehme ich hier einen Schraubenzieher... und drücke (meine Kraft reicht) das Loch in die Wand. Dübel rein und tadaaaaa es hält. Kabel verlegen? Einfach den Teppich (also zimmerfüllender Teppich als Bodenbelag) mit einer Zange anlupfen, Kabel drunter und den Teppich wieder auf dem Nagelbrett festklopfen. Da dies ein positiver Eintrag ist, sage ich jetzt nichts dazu, dass der Teppich durch die Nagelbretter an den Rändern natürlich uneben ist.
Noch ein paar Sachen zu Öffnungszeiten: Mein Fernseher wurde an einem Sonntag eingerichtet. Autowerkstätten haben auch am Wochenende geöffnet. Reinigungen haben Öffnungszeiten, die sich mit einem Job verbinden lassen. Pakete werden auch Samstags angeliefert. Alles in allem lässt sich also ein Berufsleben ganz gut mit dem restlichen Leben verbinden.
Das sollte jetzt erst einmal an positiven Dingen reichen. Kommt vorbei, um rauszufinden, was sonst noch alles super ist. :) Keine Angst... das führt zu was.
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