Der Gedanken ist mir gekommen, als ich bei -10° Celsius alleine 20 Minuten vor dem Social Security Office in Allentown in Anzugshose gewartet habe, obwohl es ein Büro direkt zwischen meinem aktuellen Wohnort in Bethlehem und meinem Arbeitsplatz in Bethlehem gibt. Ihr ahnt es... sie wohnt in Allentown. Und trotz der kurzen Anreise wollte sie nicht so früh kommen... ihr war es zu kalt zum Warten. Aber ich helfe ihr ja gerne, ihren Job zu machen.
Dass die Niagara Fälle gefroren sind, zeigt, dass das Wetter hier etwas ungemütlich ist
Heute hat sie meine Gutmütigkeit dann aber doch etwas überstrapaziert, nachdem sie mir geschrieben hat, dass ich meinen lokalen Führerschein erst beantragen kann, wenn ich in meine neue Wohnung ziehe und dass ich dafür von meiner Personalabteilung noch ein weiteres Dokument bräuchte. Von beidem war bisher nie die Rede. Es stellte sich auch raus, dass beides falsch ist. Ihre Erklärung? Wenn ich die Adresse ändere, müsste ich mich bei der Führerscheinstelle noch einmal ummelden und sie dachte, ich möchte mir diesen Aufwand und die Kosten sparen. Ich habe kurz gegoogelt und siehe das; es geht kostenlos mit einem Onlineformular. Diesen Mist schreibt sie mir mit ihrer Chefin in CC ohne ein Wort der Entschuldigung oder Richtigstellung der vorherigen Mail. Ich hasse echt nichts mehr, als offensichtlich verarscht zu werden. Ok... Unfähigkeit ist oft eine zulässige Erklärung, aber ich kann nun nicht auf alles Rücksicht nehmen.
Als Außenstehender fragt man sich vielleicht, warum mich das jetzt so besonders reizt. Das liegt daran, dass ich ohne diesen Führerschein mein bereits bezahltes Auto nicht vom Händler abholen kann. Sie sollte doch wiesen, dass man sollte sich niemals zwischen einen Deutschen und sein Auto stellen sollte!
Man darf natürlich nicht vergessen, dass sie mich auch beim vielem unterstützt hat. So konnte ich ihr z.B. alle Fragen zu meinem Mietvertrag stellen. Die Antworten lassen sich mit "dass wäre hier halt so und ansonsten müsste ich mit dem Vermieter sprechen" zusammenfassen. Ich durfte allerdings erst unterschreiben, nachdem noch zwei Hierarchiestufen über meinem relocation agent zugestimmt haben. Das hat wirklich sehr geholfen. Diese Stufen haben dafür gesorgt, dass ich insgesamt 3 Mal per Mail versichern musste, dass ich verstanden habe, dass der Vertrag keine "diplomatic clause" enthält. (Ist egal was das ist.) Beim Thema C.Y.A. (cover your ass... it's a thing!) sind sie alle ganz stark.
Jetzt habe ich einen Mietvertrag unterschrieben, der es mir ausdrücklich verbietet, Nägel in eine Wand zu schlagen, weiter unten aber den Gebrauch normaler Nägel zulässt. Ich darf auch laut Vertrag nicht streichen. Gleichzeitig preist mein Vermieter (es ist ein Unternehmen, dass den ganzen Komplex verwaltet) an, dass man Farben aus einer vordefinierten Palette wählen kann, um zu streichen. Und ganz wichtig: Es ist verboten Handtücher auf dem Balkon zu trocknen. Außerdem habe ich unterschrieben, dass mein Vermieter unabhängig vom Grund nicht für Schäden an meinem Besitz haftet. Vermieter: "Das steht ja unter dem Absatz für zurückgelassene Sachen." Ich: "Warum steht dann da unabhängig vom Grund? Sie könnten bei einer Reparatur jetzt meine Sachen kaputt machen." Vermieter: "Ich verstehe, dass das verwirrt. Aber das machen wir ja nicht." Ich: "Würden Sie unterschreiben, dass Sie mir 1 Millionen Dollar gebe, wenn ich nackt über die Anlage renne und ich ihnen versichere, dass ich es nicht tue." Vermieter: "Nein." Aber ich bin froh, dass mein relocation agent abgesichert ist.
Hier werde ich bald wohnen
Mein relocation agent konnte mir auch an dieser Stelle wieder sehr helfen. Die Vermieter würden die Verträge halt so schreiben, dass sie zu ihren Gunsten sind. Sie würden das machen, um sich abzusichern. Jetzt frage ich mich wirklich, ob der nigerianische Prinz, der laut seiner Mail nur 1.000 Euro von mir braucht, damit er mir später 1.000.000 überweisen kann, sich auch einfach nur absichern will. Dann würde ich das auch verstehen und ihm das Geld natürlich sofort überweisen.
Einen habe ich noch. Alle Willenserklärungen müssen laut Mietvertrag schriftlich erfolgen. Der Vermieter darf explizit Mails nutzen, ich hingegen nur Einschrieben oder ich muss den Brief persönlich übergeben. Der Verwalter hätte aber am liebsten Mails von mir, weil das am einfachsten ist. Ende der Diskussion war mal wieder, dass die Verträge zentral vorgegeben sind und er nichts daran ändern kann. Laut Aussage des relocation agents sind aber alle Verträge so.
Das Schlimme ist, dass einem ein beharrliches Ausdiskutieren auch nichts bringt. Mein Ernst&Young Steuerberater hat es bisher immer noch nicht geschafft, mir meine zwei Fragen aus dem Dezember zu beantworten und das, obwohl ich ihn schon 3 Mal erinnert habe. Man bekommt immer irgendetwas zugeschickt, was aber nur ganz am Rande etwas mit der Fragestellung zu tun hat. Auf die Frage, warum ich auf Wechselkursgewinne von nicht realisierten Kapitalgewinnen meiner Lebensversicherung Steuern zahlen soll, schickt er mir die Definition, was eine Lebensversicherung ist. Wenn er als ausgebildeter Steuerberater das noch verstehen muss... ok... aber er soll mich damit in Ruhe lassen. Vielleicht sollte ich ihm mal wieder schreiben... aber das führt sicher zu nichts.

